Konzert
Feldman – Grosskopf – Kourliandski – Johnston – Terterian
In einer überaus interessanten Gegenüberstellung spielt das Kairos Quartett Streichquartette der Amerikanischen Avantgarde, der jüngsten russischen Generation, des Armeniers Awet Terterian sowie ein Streichtrio des Berliner Komponisten Erhard Grosskopf.
Structures (1951) ist das erste der vier Streichquartette Morton Feldmans und gehört zu seinen frühen Kompositionen, bei denen er eine graphische Vorlage benutzt. Es ist eine Miniatur von punktuellen musikalischen Ereignissen und Pattern, die an die Bilder des Abstrakten Expressionismus und der New York School erinnern.
Ben Johnston, wie Morton Feldman 1926 geboren, unter dem Eindruck von John Cage und Harry Partch, erfand bei seiner Suche nach einer eigenen Position innerhalb der gegensätzlichen Strömungen der Musik des 20. Jahrhunderts ein ganz eigenes System, komplexe serielle Strukturen, mikrotonalen Kontrapunkt und eine erweiterte reine Stimmung zu organisieren. In einer Deutschen Erstaufführung hören wir das Streichquartett Nr. 5 (1979) von Ben Johnston, der zu den vielseitigsten und interessantesten, jedoch in Deutschland bisher noch wenig beachteten Komponisten zählt.
Ein Komponist der selben Generation ist der Armenier Awet Terterian. Er wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Sein kompositorisches Schaffen ist zutiefst verbunden mit der Tradition seines kaukasischen Volkes. Archaische Klänge konfrontiert er mit avancierten Kompositionsmethoden der Aleatorik oder Clusterbildung, wobei er sich immer wieder auf die dem Klang folgende Stille konzentriert, auf den „unendlichen“ Ton.
Eine ganz eigene Musiksprache entwickelte auch Erhard Grosskopf, der im März diesen Jahres seinen 75. Geburtstag feiert. Zeitprozesse aus Zahlenproportionen und harmonische Konstellationen, die durch Tendenz und Zufall beeinflusst werden, sind wesentliche Elemente seiner originären Musik. In ihrer vielschichtigen, recht abstrakten Struktur bleibt sie schlicht, erscheint empfindsam und poetisch, wie äußerst spannend.
Durch das Kairos Quartett uraufgeführt wird schließlich das Streichquartett Night-turn des jungen Moskauers Dmitri Kourliandski, derzeit Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAADs und porträtiert durch weitere Konzerte der diesjährigen MaerzMusik.
Morton Feldman
Structures (1951)
Erhard Grosskopf
Streichtrio op. 58 (2003)
Dmitri Kourliandski
Night-turn (2004) UA
Ben Johnston
Streichquartett Nr. 5 (1979) DE
Awet Terterian
Streichquartett Nr. 2 (1991)
Koproduktion von MaerzMusik | Berliner Festspiele und Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
In Zusammenarbeit mit Jüdisches Museum Berlin