Konzert | Slow Listening
Antoine Brumel | Clemens Goldberg
Um das Jahr 1500 erlebte Europa einen ähnlich radikalen Umbruch aller Werte wie heute. Der Mensch setzte sich ins Zentrum, blickte zurück auf eine verlorene metaphysische Ordnung und erschuf sich selbst neue Räume und eine neue Zeitwahrnehmung. Es entstand die erste 12-stimmige Messe der Musikgeschichte, mit kreisenden Klängen um den Menschen im Zentrum, ein grandioses, einzigartiges Werk. Antoine Brumel schuf diesen musikalischen Kosmos auf der Basis von sieben Tönen, die nach dem Tod Jesu am Ostermorgen noch vor der Auferstehung an das Erdbeben erinnern, das den Tod Gottes begleitete.
Im Rahmen von MaerzMusik, des Festivals für aktuelle Musik, das sich in diesem Jahr mit dem Thema [verlorener] Utopien auseinandersetzt, findet mit hervorragenden Gesangssolisten unter der Leitung von Marc Busnel im großen Saal des Radialsystem V die Premiere einer einzigartigen Raum-Klang-Aufführung statt, die diese historische Musik neu erfahrbar macht. Et Ecce Terrae Motus – Es bebte die Erde von Antoine Brumel und Clemens Goldberg, eine „Utopische Musik im Angesicht des Untergangs“, leitet das Publikum auf einen Stationenweg der vom Menschen verursachten und der natürlichen Katastrophen von der Gegenwart bis in das Jahr 1500. Mit Bildern und Texten sowie Teilen der Messe von Antoine Brumel erlebt der Hörer die Fragen der Kunstwerke als seine heutigen Fragen. Kann die magische Musik der Messe über das Erdbeben am Ostermorgen die Frage nach einem Überleben im Angesicht des Untergangs beantworten?
Antoine Brumel | Clemens Goldberg
Et Ecce Terrae Motus – Es bebte die Erde
Utopische Musik im Angesicht des Untergangs (2010) UA
Eine Raum-Klang-Aufführung von Teilen der Messe von Antoine Brumel (um 1500) nach dem Verfahren des „Slow Listening“
Ensemble Musica Universalis
Marc Busnel – Leitung
Eine Produktion der Goldberg Stiftung in Zusammenarbeit mit MaerzMusik | Berliner Festspiele und Radialsystem V, gefördert durch Hauptstadtkulturfonds