Konzert | Julius Eastman

Julius Eastman / The Unbreathing – Opening

Julius Eastman, Fotograf unbekannt © Mary Jane Leach’s collection

Julius Eastman Fotograf unbekannt © Mary Jane Leach’s collection

„Was ich zu erreichen versuche ist, das, was ich bin, in vollen Zügen zu sein – schwarz in vollen Zügen, ein Musiker in vollen Zügen, und ein Homosexueller in vollen Zügen.“
Julius Eastman

Die Bedeutung der Figur Julius Eastman (1940–1990) geht weit über sein einzigartiges musikalisches Schaffen hinaus. Sein Leben lang wechselte der amerikanische Komponist, Pianist, Sänger, Choreograph und Tänzer zwischen dem Establishment und Randpositionen – nicht nur der experimentellen Musikszenen von Buffalo und New York, sondern der US-amerikanischen Gesellschaft im Allgemeinen. Als einer der Wenigen innerhalb der Welt der neuen Musik erhob er seine Stimme gegen Homophobie, Kapitalismus und Rassismus. Umso erstaunlicher ist es, dass er aus dem Gedächtnis der Musik des 20. Jahrhunderts weitgehend getilgt wurde.

MaerzMusik 2017 eröffnet mit drei von Julius Eastmans faszinierenden Werken für vier Klaviere: postminimalistische Musik wie keine andere, getrieben von Organizität und politischem Bewusstsein – eine lang überfällige Wiederentdeckung.

__________

In „The Unbreathing“ wird der Rhythmus selbst zum politischen Thema. Uriel Barthélémi nimmt rhythmische Skalen aus geopolitischen und sozialwissenschaftlichen Analysen auf. Das Stück legt eine transversale, rohe und radikale Lesart der unzähligen zivilisatorischen Verflechtungen nahe, die durch verschiedene Kolonialisierungen und deren zunehmende destruktive Einverleibung imaginärer Welten verursacht wurden.

„The Unbreathing” greift auf Bilder aus Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“ zurück und entwickelt eine abstrakte Narration, die ihren Ausgangspunkt in musikalischen Phänomenen findet und fragmentierte Worte voller Stille und Bedeutung evoziert. Der ägyptische Künstler, Autor und Musiker Hassan Khan erschuf eine schwebende Textstruktur für das Werk.

Diesem absichtlich instabilen Solo ist auch eine starke visuelle Dimension zu eigen: Das Schlagzeug steuert eine Serie epileptisch anmutender Bilder, beeinflusst durch fotojournalistische Gewaltbilder und die Welt der Mangas. Ein Albtraum, der die Spuren eines jahrhundertelangen, verzweifelten Rennens nachzeichnet, ausgelöst durch den zerstörerischen Prozess der Kolonialisierung des Geistes.

Julius Eastman

Evil Nigger
für vier Klaviere (1979) DE

Gay Guerilla
für vier Klaviere (1979)

Crazy Nigger
für vier Klaviere (1978) DE

Uriel Barthélémi
The Unbreathing
für Drum Set, Elektronik und Video (2017) UA

Ernst Surberg Klavier
Christoph Grund Klavier
Julie Sassoon Klavier
Małgorzata Walentynowicz Klavier

Uriel Barthélémi Konzept, Performance, Sound & visuelle Programmierung
Hassan Khan Text
Elise Boual, Clémentine Poquet, Josepha De Vautibault Illustrationen

„The Unbreathing“ ist ein Auftragswerk von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen.
Produktion: Anne Becker – Bureau PLATÔ