Konzert

Matinee: Orgel & Harfe

Shin-Young Lee
Marie-Pierre Langlamet

Korallenriff

Orgelkoralle (Tubipora musica) © Chaloklum Diving, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wenn sie am Spieltisch der Orgel Platz nimmt, glaubt man ein großes Sinfonieorchester zu hören – inklusive raffinierter Soli von Flöten, Posaunen und anderen Bläserstimmen. Denn Shin-Young Lee liebt Programme, in denen sie originales Repertoire mit Orgeltranskriptionen berühmter Orchesterwerke kombiniert. Gemeinsam mit Marie-Pierre Langlamet, Harfenistin der Berliner Philharmoniker, präsentiert die international gefeierte Konzertorganistin beim Musikfest Berlin ein spektakuläres Programm, das von Liszts virtuoser Konzertetüde Un sospiro (bei welcher der Eindruck dreier Hände auf der Tastatur entsteht) bis zu Louis Viernes Paradestück Carillon de Westminster reicht.

Programmheft vor Ort

Die „ganze Farbenpracht des Orients“ wollte Alexander Borodin in seinen Polowetzer Tänzen in Musik fassen. Hinter dem Titel verbirgt sich die berühmte Ballettmusik aus dem 2. Akt der Oper Fürst Igor, deren Triumphzug durch die internationalen Konzertsäle mit einer Aufführung der Ballets Russes 1909 begann. Bei ihrem Gastspiel in Berlin präsentiert die koreanische Organistin Shin-Young Lee ihre eigene, atemberaubend virtuose Version dieses Orchesterklassikers, bevor sie sich mit Marie-Pierre Langlamet Liszts nicht weniger anspruchsvoller Konzertetüde Un sospiro widmet, in der nicht nur das schnelle Überkreuzen der Hände für haarsträubende technische Herausforderungen sorgt. Mit zwei Werken Georg Friedrich Händels geht es dann in die opulente Musik des Barockzeitalters: Auf die berühmte Passacaglia aus der Cembalosuite in g-Moll in der Bearbeitung von Shin-Young Lee folgt das Konzert für Harfe in B-Dur, zu dem der französische Harfenist Marcel Grandjany 1930 eine klangprächtige Kadenz beigesteuert hat. Dass die Orgel nicht umsonst als „Königin der Instrumente“ in die Musikgeschichte einging, belegt dann Shin-Young Lees Version von Camille Saint-Saëns’ Mezzo-Arie Mon cœur s’ouvre à ta voix aus der biblischen Oper Samson et Dalila. Nach dem bekannten Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie in der Version für Orgel und Harfe klingt der Abend schließlich mit Louis Viernes Carillon de Westminster aus den Pièces de Fantaisie op. 54 aus, einer brillanten Orgel-Adaption der Westminster-Glocken, die sich zu größter Klangpracht aufbaut.

Programm

Alexander Borodin (1833–1887) 
Polowetzer Tänze  
aus Fürst Igor (1869–87) 
Bearbeitung für Orgel von Shin-Young Lee

Franz Liszt (1811–1886) 
Un sospiro  
aus Trois Études de concert (1848) 
Bearbeitung für Orgel und Harfe von Marco-Enrico Bossi

Georg-Friedrich Händel (1685–1759) 
Passacaglia  
aus Suite Nr. 7 in g-Moll HWV 432 (1720) 
Bearbeitung für Orgel von Shin-Young Lee

Orgelkonzert op. 4 Nr. 6 B-Dur HWV 294 (1736) 
Bearbeitung für Harfe und Orgel mit einer Kadenz von Marcel Grandjany 

Camille Saint-Saëns (1835–1921) 
Mon cœur s’ouvre à ta voix  
aus Samson et Dalila op. 47 (1868–77) 
Bearbeitung für Orgel von Shin-Young Lee

Gustav Mahler (1860–1911) 
Adagietto 
aus Sinfonie Nr. 5 cis-Moll (1901–04/11) 
Bearbeitung für Orgel und Harfe von Joachim Dorfmüller

Louis Vierne (1870–1937) 
Carillon de Westminster 
aus Pièces de Fantaisie pour Grand Orgue op. 54 (1926/27)

Mitwirkende

Marie-Pierre LanglametHarfe 
Shin-Young LeeOrgel

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin