Theater, Tanz
Gisèle Vienne
Deutsche Erstaufführung
Uraufführung: 10. Dezember 2026, Schauspielhaus Zürich

Archives of Feelings © Jean-Louis Fernandez
Acht Menschen treffen sich nach einer Hochzeitsfeier wieder: Das Stück entfaltet sich wie eine Art Porträtgalerie und beleuchtet jede Figur als eine Geschichte innerhalb der Geschichte. In ihrer ersten Zusammenarbeit machen Gisèle Vienne und Marie NDiaye sichtbar, wie Macht, Gewalt und soziale Erwartungen Körper, Sprache und Beziehungen durchziehen – leise, präzise, unerbittlich.
Ein Fest ist vorbei. Gläser stehen leer, Musik ist verklungen, Müdigkeit legt sich über den Raum. Acht Menschen bleiben zurück – Verwandte, Freund*innen, Zufallsbekanntschaften. Was als Hochzeitsritual begann, verwandelt sich in ein instabiles soziales Gefüge. Nähe wird zur Zumutung, Fürsorge zur Frage von Macht. In diesem Moment setzt die neue Arbeit von Gisèle Vienne ein.
Die Produktion, eine Koproduktion der Berliner Festspiele, markiert die erste Zusammenarbeit der französisch-österreichischen Choreografin und Regisseurin mit der französischen Autorin Marie NDiaye. Die Künstlerinnen verbindet ein präziser Blick auf die unscheinbaren, oft unsichtbaren Formen von Gewalt und Kontrolle, die sich in Sprache, Gesten und Beziehungen einschreiben.
Wo NDiaye mit literarischer Genauigkeit psychische Verschiebungen, familiäre Abhängigkeiten und soziale Rollenbilder freilegt, übersetzt Vienne diese Spannungen in Körper, Zeit und choreografische Verdichtung. Gemeinsam entwerfen sie ein Bühnengeschehen, das Macht nicht behauptet, sondern spürbar macht. Dazu schafft die Musik der isländischen Cellistin und Oscarpreisträgerin Hildur Guðnadóttir und von Polina Zhukova alias CCONTRARY eine sinnliche und zugleich präzise Klangwelt.
Angelegt ist die Arbeit als eine Art Porträtgalerie. Jede Figur erzählt eine eigene Geschichte – und ist zugleich Teil eines Gefüges, das von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt ist. Gegenwart, Erinnerung und Zukunft überlagern sich. Themen wie Eco-Anxiety, Rassismus, Sexualität, soziale Herkunft und das Konzept des „Passing“ – das Durchgehen als jemand anderes – durchziehen die Arbeit als latente Kräfte. Identität erscheint nicht als stabiler Kern, sondern als etwas, das unter gesellschaftlichem Druck permanent neu verhandelt wird.
Im Rahmen der Performing Arts Season der Berliner Festspiele 2026/27, die Mythen und Ritualen gewidmet ist, wird diese Bühnenarbeit selbst zu einem zeitgenössischen Ritual: nicht als Ort der Versöhnung, sondern als präzise Versuchsanordnung. Sie legt offen, wie Gemeinschaft entsteht, wie Macht wirkt – und wie brüchig die Versprechen von Nähe, Schutz und Zugehörigkeit geworden sind.
Gisèle Vienne zählt zu den prägenden Stimmen der internationalen Performance- und Theaterszene. Ihre Arbeiten – darunter Jerk, Crowd, L’Etang und zuletzt Extra Life – sind bekannt für ihren experimentellen Umgang mit Zeit, ihre unheimliche Präzision und die Darstellung latenter Gewalt unter der Oberfläche scheinbar vertrauter Situationen. In der Zusammenarbeit mit Marie NDiaye, deren Schreiben für radikale Ambivalenz und schonungslose Analyse familiärer und gesellschaftlicher Machtverhältnisse steht, gewinnt diese Forschung eine neue sprachliche Schärfe und eine eindringliche theatrale Form.
Gisèle Vienne – Konzept, Choreografie, Regie, Szenografie
Marie NDiaye – Texte der inneren Stimmen
Sophie Demeyer, Angélique Flaugère, Adèle Haenel, Julien Louisy, Theo Livesey, Audrey Merilus, Katia Petrowick, Julie Shanahan – Performer*innen, Kollaboration Entwicklung, Weitere Texte
Hildur Guðnadóttir, Polina Zhukova aka CCONTRARY – Originalmusik
Adrien Michel – Sounddesign
Nicolas Boudier, Gisèle Vienne – Licht
Sara Ruiz Marmolejo – Koordination Technik, Stage Management
Adrien Michel, Géraldine Foucault Voglimacci – Leitung Sound
Héloïse Evano – Leitung Licht
Thibault Villard – Stage Manager
Paola Gilles, Raphaëlle Landré – Produktion, Tournee
Cloé Haas, Clémentine Papandrea – Administration
Eine Produktion von DACM / Compagnie Gisèle Vienne
Eine Koproduktion von Berliner Festspiele, Schauspielhaus Zürich, Les Nuits de Fourvière, Le Volcan – Scène nationale du Havre, MC2: Grenoble – Scène nationale, Wiener Festwochen, Festival d’Automne à Paris, Théâtre populaire romand La Chaux‑de‑Fonds – Centre neuchâtelois des arts vivants, MC93 – Maison de la Culture de Seine‑Saint‑Denis, Théâtre National de Bretagne – Centre Européen Théâtral et Chorégraphique, Maillon – Théâtre de Strasbourg – Scène européenne, Triennale Milano Teatro, TANDEM – Scène nationale Arras‑Douai, La Filature – Scène nationale de Mulhouse, International Summer Festival Kampnagel – Hamburg, BIT Teatergarasjen, DESINGEL – Antwerpen, Manège – Scène nationale de Reims
Mit der Unterstützung von Dance Reflections by Van Cleef & Arpels
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Mit Unterstützung von Fonds SACD / Ministère de la Culture – Grandes Formes Théâtre
Mit Unterstützung und Residenz am Le Quai CDN – Angers
Mit Unterstützung von CENTQUATRE – Paris
Mit besonderem Dank an das Théâtre national de Strasbourg
Die Company Gisèle Vienne wird unterstützt durch das Ministère de la Culture et de la Communication – DRAC Grand Est, die Région Grand Est und die Stadt Strasbourg. Die internationale Tournee der Company wird unterstützt vom Institut Français.
Gisèle Vienne ist Associated Artist des Théâtre National de Bretagne, Chaillot – Théâtre national de la Danse, MC2: Grenoble und Le Volcan – Scène nationale du Havre.
Das Gespräch zwischen Gisèle Vienne und Marie NDiaye findet statt mit freundlicher Unterstützung des Institut français und des französischen Ministerium für Kultur.
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