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Keyvisual MaerzMusik on Demand

MaerzMusik on Demand

Die erste digitale Ausgabe von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wenn Sie den einen oder anderen Livestream verpasst haben oder die Highlights des Festivals noch einmal sehen und hören möchten, schauen Sie gerne auf MaerzMusik on Demand vorbei. Dort stehen die Konzerte, die Gespräche und Videobeiträge des Festivals weiterhin für einige Zeit zur Verfügung. Die nächste Ausgabe von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen findet vom 18. bis 27. März 2022 statt.

Filmstill aus dem Trailer MaerzMusik 2021

Trailer MaerzMusik 2021. Visual und Audio aus „Non-Face“ von Robert Lippok & Lucas Gutierrez

© Berliner Festspiele / MaerzMusik

Kein Ende der Zeit

Berno Odo Polzer über MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2021

Wir werden da sein – und hoffen, dass auch Sie da sein werden! Nach der kurzfristigen Absage von MaerzMusik 2020, nach einem denkwürdigen Jahr mit sich ständig verändernden Erwartungslandschaften und vielen Notfallplänen, sind wir bereit für eine exklusive Online-Ausgabe von MaerzMusik 2021.

Online-Zeit ist anders, wir sind uns dessen bewusst. Die gemeinsame, geteilte Erfahrung von Musik und Kunst in Echtzeit und im realen Raum ist unersetzlich. Aber MaerzMusik ist dazu entschlossen stattzufinden, lebendig und offen zu bleiben als Ort der Kreation und Begegnung, des gemeinsamen Hörens und Nachdenkens.

Diese Website ist der Ort, an dem viele Ströme und Streams zusammenfließen: Konzerte, Performances, Filme und Vorträge – live oder vorproduziert – verbinden die physischen Orte Haus der Berliner Festspiele, SAVVY Contemporary, Zeiss-Großplanetarium, silent green, Kammermusiksaal der Philharmonie, Wissenschaftskolleg zu Berlin, Université du Québec à Montréal und zahlreiche private Wohnungen und Studios auf der ganzen Welt, in denen Musik, Sprache und Bewegtbild für dieses Festival entstehen.

Aus der Sicht dieses Festivals für Zeitfragen ist es eine bemerkenswerte Ironie, dass die letztjährige Ausgabe zum „Beginn der Zeit“ abgesagt wurde, nur um mit der diesjährigen geplanten Ausgabe zum Thema „Das Ende der Zeit“ zu verschmelzen. Schließlich war es eine der Triebkräfte der letzten sechs Jahre, den normativen Rahmen linearer Zeitvorstellungen – eingeklammert durch einen Anfang und ein Ende – in Frage zu stellen und zu überschreiten. Und so finden wir uns an einem Punkt wieder, an dem Anfang und Ende zumindest thematisch in einer Gegenwart zusammenlaufen, die unsere Perspektiven auf die Zukunft (und die Vergangenheit) auf atemberaubende Weise verunsichert.

Viele der von MaerzMusik 2021 präsentierten Projekte sind Premieren – einige sind Geschenke der Herausforderungen und Einschränkungen, mit denen wir weltweit zu kämpfen haben. Beginnend mit unserem Eröffnungsprojekt „Environment“, das auf bemerkenswerte Weise die Spuren dieser anhaltenden Pandemie trägt. Im Frühjahr 2020 gerieten die Musiker*innen der Ensembles PHØNIX16 und Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos (OEIN) aus Bolivien, die das Eröffnungsprojekt von MaerzMusik 2020 vorbereiten wollten, in eine fast dreimonatige Zwangsquarantäne in der Musikakademie Rheinsberg – eine Erfahrung, die sowohl die Entwicklung des Projekts als auch das Leben der an ihm Beteiligten veränderte. Was daraus hervorging, ist eine Fülle künstlerischer Arbeiten – eine multimediale Bühnenperformance, Dokumentar- und Experimentalfilme –, die bei MaerzMusik erstmals gezeigt werden (19. & 26.3.). Die langfristige Zusammenarbeit mit SAVVY Contemporary über den vergessenen ägyptisch-amerikanischen Komponisten, Elektronikpionier, Forscher und Lehrer Halim El-Dabh manifestiert sich in einer Reihe neuer künstlerischer Projekte, darunter zahlreiche Aufträge und Uraufführungen (20. & 23.3.). Die brillante und einflussreiche New Yorker Formation Bang on a Can produziert eine spezielle MaerzMusik-Ausgabe ihres inspirierenden Formats „Marathon Live Online“ – mehrere Stunden Live-Konzerte, die aus einer Vielzahl von Privatwohnungen und Studios von Künstler*innen zusammenfließen (21.3). Die französische Klangpionierin Éliane Radigue ist die Protagonistin eines binauralen Live-Streams ihrer bahnbrechenden dreistündigen Klangmeditation „Trilogie de la Mort“ aus der Kuppel des Zeiss-Großplanetariums, begleitet von einem neuen, von MaerzMusik in Auftrag gegebenen Film der französischen Filmemacherin Eléonore Huisse und des Klangkünstlers François J. Bonnet. Gemeinsam besuchen sie ihre Freundin Éliane in ihrem Haus in Paris, um über Alleinsein, Vorstellungskraft, Rückzug, die innere Stimme und Zeitlichkeit zu sprechen (22.3.). Ein Konzert des Ensemble Modern steht im Mittelpunkt eines Tages, der dem Thema „Afro-Modernismus in der zeitgenössischen Musik“ gewidmet ist und von George Lewis zusammen mit zwei Panels kuratiert wird, die sich mit Afrodiasporischem Experimentalismus und aktuellen Fragen von Identität und Zukunft der klassischen und zeitgenössischen Musik befassen (24.3.). Ein Konzertfilm, der von Quatuor Bozzini für MaerzMusik in Montreal produziert wird, präsentiert die Uraufführung von Jürg Freys einstündigem neuen Streichquartett Nr. 4. (25.3.). Das ensemble mosaik präsentiert die Filmversion von Manuel Rodríguez Valenzuelas neuem Werk „time. cage “, ein multimediales Instrumentaltheater, das die Zeitkultur unserer Hochgeschwindigkeitsgesellschaft künstlerisch reflektiert (26.3.).

Das große Finale von MaerzMusik, The Long Now, ist ein Format, das in Transformation begriffen ist. Nachdem uns die Pandemie aus dem geliebten Kraftwerk Berlin vertrieben hat, erfinden wir das Format neu und verwandeln es in ein 30-stündiges, live gestreamtes Erlebnis des gemeinsamen Hörens, in dem sich die Zeit selbst entfalten und das Zeitgefühl sich verlieren kann.

Thinking Together 2021 wird ebenfalls live online stattfinden. Das Diskursformat des Festivals widmet sich der Idee vom „Ende der Zeit“ in ihren philosophischen und historischen Dimensionen ebenso wie in ihren aktuellen politischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen. Endzeit-Vorstellungen gedeihen (erneut) in einem Klima der Angst, des Klimawandels, des Artensterbens, der gesellschaftlich-politischen Unsicherheit und der andauernden globalen Pandemie. Thinking Together betrachtet das Phänomen Apokalyptik als Haltung zur Welt und zur Zukunft – und blickt darüber hinaus. Was liegt außerhalb des Bannkreises dieser sich selbst erfüllenden Prophezeiung und der tief verwurzelten, zukunftsverneindenden Erwartung des Endes der Zeit? Welche Wissensformen und Praktiken zeigen Wege auf, die Zukunft zu nähren und zu pflegen?

MaerzMusik 2021 experimentiert mit den Möglichkeiten der audiovisuellen Online-Repräsentation. Wir möchten Abwechslung in Online-Erlebnissen bieten, indem wir diverse verfügbare Technologien und Ansätze zum Einsatz bringen, von modernster 360°-Kamera- und 3D-Soundtechnologie über reguläre Einzel- und Mehrfachkameratechniken bis hin zu alltäglichen Online-Meeting-Plattformen. In Bezug auf Online-Formate umfasst unser Programm Live-Video-Streams von Konzerten, audiovisuellen Performances, Vorträgen und Gesprächen, binaurale Audio-Streams sowie vorproduzierte Konzertfilme, Musikvideos, Dokumentar- und andere Filmformate.

Wir werden online da sein – und hoffen, dass auch Sie da sein werden!

Berno Odo Polzer
Künstlerischer Leiter MaerzMusik – Festival für Zeitfragen

Die MaerzMusik

MaerzMusik – Festival für Zeitfragen versteht sich als Ort für künstlerische Erfahrungen, für Begegnungen und das gemeinsame Nachdenken über unseren Umgang mit Zeit. Entwickelt aus der Perspektive des Hörens und getragen von der Musik der Gegenwart, öffnet das Festival mit Konzerten, Performances, Installationen, Filmpräsentationen und Diskursformate einen Raum, in dem Leben, Kunst und Theorie konvergieren können.
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