Theater

MAMI

Mario Banushi

Deutsche Erstaufführung

Uraufführung: 6. Februar 2025, Onassis Stegi, Athen

Zwei Personen auf einer dunklen Bühne; eine steht mit einem Fahrrad mit leuchtendem Licht, eine bewegt sich daneben.

MAMI © Onassis Stegi

MAMI erzählt von Müttern, von Nähe und Loslösung, von dem, was weitergegeben wird. In einem wortlosen, rituellen Bildtheater formt Mario Banushi persönliche Erinnerung zu einer intensiven Erfahrung zwischen Geburt, Begehren und Verlust.

MAMI kreist um ein Wort, das mehr meint als eine Person. Mutter – das ist bei Mario Banushi Ursprung und Abwesenheit zugleich, Fürsorge und Zumutung, Nähe und Verlust. Der Regisseur und Performer wurde in Griechenland geboren, verbrachte jedoch einen Teil seiner frühen Kindheit bei seiner Großmutter in Albanien – eine aus ökonomischen Gründen damals gängige Praxis, insbesondere in kinderreichen Familien –, bevor er im Alter von sechs Jahren wieder nach Griechenland zurückkehrte. In seiner neuen Arbeit verdichtet Banushi persönliche Erinnerungen zu einer poetischen Erkundung jener Beziehungen, die Leben hervorbringen und prägen. MAMI ist eine Hommage an die Frauen, die uns großgezogen haben – und an die Ambivalenzen, die mit diesem Erbe verbunden sind.

Ausgehend von eigenen Erfahrungen entwirft Banushi ein visuelles Gedächtnistheater: Die Bühne wird zum Raum der Erinnerung, vertraut und unheimlich zugleich. In stillen, hochkonzentrierten Bildern entfaltet sich eine Chronik des Aufwachsens – von frühen Kindheitsprägungen über erste Liebeserfahrungen bis zur Entdeckung des eigenen Begehrens. Zärtlichkeit und Verletzung, Geburt und Vergänglichkeit, Zuwendung und Loslösung stehen dabei in einem ständigen Spannungsverhältnis. Die Zeit scheint gedehnt, aufgehoben, als folge sie der inneren Logik von Erinnerungen statt einer linearen Erzählung.

Charakteristisch für Banushis Arbeit ist der Verzicht auf gesprochenes Wort. Körper, Gesten, Musik, Licht und Farbe tragen die Erzählung. Seine Inszenierungen entstehen aus einem intensiven visuellen Prozess und funktionieren wie immaterielle Bücher, die weniger gelesen als erfahren werden wollen. Seine Bühnenräume wirken wie entrückte Zwischenwelten, in denen Realität und Symbolik unmerklich ineinander übergehen. Rituale, Opfergaben und alltägliche Materialien verbinden sich zu einer Poetik des Realen, in der Körper in ihrer rohen, ungeschützten Präsenz zu Bildern von großer emotionaler Klarheit werden. Die stark vom Balkan geprägte Musik verstärkt den rituellen Charakter der Aufführung und verleiht ihr eine archaische und zugleich zeitgenössische Qualität.

Mario Banushi hat sich mit seinen wortlosen, bildmächtigen Theaterarbeiten international einen Namen gemacht, 2026 wurde er dafür mit dem Silbernen Löwen der Biennale di Venezia ausgezeichnet. Mit seinem Debüt Ragada und den nachfolgenden Arbeiten Goodbye, Lindita, das im Rahmen von Performing Exiles bei den Berliner Festspielen 2025 zu sehen war, und Taverna Miresia – Mario Bella Anastasia entwickelte er eine unverwechselbare Form des Bildtheaters, in der persönliche Erfahrung, Ritual und kollektive Erinnerung ineinandergreifen. Mit MAMI setzt er diese Handschrift fort und wendet sich nach Stücken über Abschied und Trauer dem Leben selbst zu: der Geburt, der Weitergabe, der Frage, wer wen trägt – und zu welchem Preis.

Künstlerisches Team

Mario BanushiKonzept, Regie
Vasiliki Driva, Dimitris Lagos, Eftychia Stefanou, Angeliki Stellatou, Ennea Vangelis, Panagiota Υiagli Performance
Sotiris MelanosSet- und Kostümdesign
Jeph VangerOriginalmusik und Sounddesign
Stephanos DroussiotisLichtdesign, Mitarbeit Dramaturgie
Aimilios Arapoglou, Thanasis DeligiannisKünstlerische Mitarbeit
Theodora PatitiRegieassistenz

Nikos MavrakisInternationale Beziehungen, Tourmanagement
Rena Andreadaki & Christos Christopoulos (TooFarEast)Produktionsmanagement Entwicklung
Ioanna Papakosta (TooFarEast)Herstellungsleitung, Produktionsmanagement Tour
Konstantina Douka Gkosi (TooFarEast)Koordination Casting und Residenzen, Produktionsmanagement Tour

Marietta PavlakiLichtdesign Tour
Kostas ChaidosTontechnik Tour
Sofia TheodorouBühnenbildassistenz
Nikoleta AnastasiadouKostümassistenz

Michalis LagkouvardosBühnenbau
Alaxouzoi brothers, Alexandros LoggosSonderkonstruktionen
Giorgos IerapetritisSonderkonstruktionen Licht
Aristidis Kreatsoulas (TooFarEast)Technische Koordination Proben, Bühnentechnik Tour
Konstantinos MavrantzasBeleuchtung Proben
Stefanos Ntaoulas, Iason Papantoniou, Grigoris Zkeris, Paris AsimakopoulosTechnische Betreuung Proben

In Zusammenarbeit mit OMAZ Civic Non-Profit Company

In Auftrag gegeben und produziert von Onassis Stegi

Eine Koproduktion von Berliner Festspiele, Odéon – Théâtre de l’Europe, FOG festival / Triennale Milano Teatro, & Espoo Theatre, Festival d’Avignon, Grec Festival Barcelona, Théâtre de Liège, Noorderzon Festival / Grand Theatre Groningen

Initiale Recherche und Entwicklung realisiert mit der Unterstützung durch Onassis AiR Fellowship und Centre Culturel Hellénique – Paris

Die Präsentation von MAMI wird unterstützt durch das Onassis Stegi Touring Program

Mit der finanziellen Unterstützung durch das Griechische Ministerium für Kultur