Konzert | Ives und die Folgen

Kairos Quartett

Mit seinem erfolgreichsten “game piece” Cobra (1984) und seinem Streichquartett Cat o’Nine Tails (1988) ist John Zorn mit zwei einflussreichen und prominenten Stücken seines stilistisch weitgespannten und hybriden Werks auf der Maerzmusik vertreten.

Bereits in den 70er Jahren begann John Zorn die so genannten „game pieces“ zu konzipieren. Stücke für kleinere Ensembles, die nur aus einem Set von Regeln zur Improvisation bestanden. Spielstrukturen, das heißt der Wechsel zwischen Regelbezogenheit, Zufallselement und freiem, improvisierten Handeln waren, so Zorn, für ihn interessant geworden, weil sie den Musiker aus seiner passiven Rolle herauslösten, ihm die Möglichkeit boten, seine eigene musikalische Sprache zu entfalten und gleichzeitig durch Spielregeln das Miteinander-Spielen jenseits hierarchischer Anordnungen ermöglichten.

 

Zorn steht damit durchaus in der Tradition der Musiken der 50er und 60er Jahre, in denen versucht wurde, musikalische Form, deren Verlauf, das Spielen und das Interagieren der Spieler untereinander auf der Basis eines vorgegebenen Spielkonzepts von der alleinigen Verantwortung des Komponisten zu lösen. Beispiele solchen Vorgehens findet man in Lutoslawskis Streichquartett, in Stockhausens Klavierstück XI, in Boulez’ 3. Klaviersonate, aber auch in Wolffs In Between Pieces oder Robert Ashleys in memoriam ... Serie. Ganz tritt der Autor dort allerdings nie ab, wenn sich seine Funktion auch ändert. Er tritt in den Hintergrund, regelt das Spiel quasi als Regisseur oder wie bei John Zorn in Cobra als “prompter” (Souffleur).

The Dead Man – 13 specimen for string quartet (1990)

The Dead Man ist nur selten in seiner vollständigen Form aufgeführt worden. Die Partitur wurde mehrfach in den auf die Originalkomposition von 1990 folgenden Jahren revidiert.
Dieser Komplex von dreizehn Miniaturen ist inspiriert durch das Werk gleichen Namens des französischen
Philosophen / Surrealisten Georges Bataille (und natürlich Webern’s Bagatellen).

Es enthält vielleicht den offensichtlichsten SM-Subtext in meinem gesamten Werk. Im selben Jahr komponiert wie Torture Garden, habe ich mir diese beiden Suiten immer vorgestellt als Soundtracks zu zwangsläufig kurzen SM-Szenen, vielleicht aufgeführt im Vault, Hellfire, auf einer privaten 'schwarzen Party’, in jemandes persönlichem Kerker oder als Underground Happening in einem dunklen, feuchten Souterrain in Tokio oder im East Village.

John Zorn

Programm

John Zorn
Cobra (2004)
mit Berliner und internationalen Musikern

Cat O'Nine Tails (Tex Avery Directs the Marquis de Sade) (1988)

Mitwirkende

Kairos Quartett