Konzert & binauraler Audio-Livestream | Éliane Radigue
Jetsun Mila (1986)
Uraufführung am 10. Juni 1986 in der Groupe d'Étude et de Réalisation Musicale (GERM), Paris.

„Éliane Radigue – Échos“. Ein Film von Éleonore Huisse und François Bonnet, F 2021, Film Still © Éleonore Huisse, François Bonnet
„Jetsun Mila“ ist vom Leben Jetsün Milarepas inspiriert, einem berühmten Yogi und Dichter aus Tibet, der im 11. Jahrhundert lebte. Radigues musikalische Beschwörung folgt seinen wichtigsten Lebensabschnitten.
MaerzMusik feiert den 90. Geburtstag der französischen Musikpionierin Éliane Radigue mit der erstmaligen Live-Präsentation ihres gesamten elektronischen Musikschaffens.
Eine Reihe von siebzehn Konzerten unter der Klangregie von François Bonnet, alias Kassel Jaeger, erstreckt sich über das gesamte Festival. In der einzigartigen akusmatischen Umgebung des Zeiss-Großplanetariums versucht diese Hommage die bezaubernde Tiefe von Radigues Musik für Lautsprecher, die zwischen 1970 und 2000 entstanden ist, vollständig zu erschließen.
„Éliane Radigue wurde am 24. Januar 1932 in Paris geboren, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Durch eine umsichtige Klavierlehrerin erlebte sie in ihrer Kindheit in Paris eine geheimnisvolle Initiation in die Musik. Später kommen die Harfe, das Singen und die Komposition hinzu. Aber erst durch den Kontakt mit der ‚musique concrète‘, an der Seite von Pierre Schaeffer und später Pierre Henry, findet die Musik von Radigue ihren eigenen authentischen Weg.
Über einen Zeitraum von über 50 Jahren erstrecken sich drei verschiedene Phasen in ihrem Schaffen. Jede von ihnen markiert einen Bruch und ist zugleich inspiriert durch die Erkundung und Erforschung von Schwellen, von Räumen, die sich in den Intervallen auftun, und vom Dialog zwischen Hörerfahrung und innerer Erfahrung, persönlicher Geschichte und sinnlicher Erinnerung. Die erste Phase (1968–1971) betrifft die Arbeit mit Feedback und ‚Re-Injektionen‘ – eine embryonale Phase, die bereits Radigues äußerste Sorgfalt und Arbeit mit Schwellen und bedrohten Equilibrien erkennen lässt.
Die zweite, reife Phase, die sich über dreißig Jahre (1971–2001) erstreckt, ist von der fruchtbaren Produktion elektronischer Kompositionen geprägt, die ihre Musik unauslöschlich mit den einzigartigen Beats des ARP 2500 Synthesizers verbindet. In dieser Phase beginnt die Entwicklung langer Formen mit subtilen Variationen, die zwischen der von der Musik getragenen Geschichte und der für ihre Entfaltung notwendigen Zeitspanne aufblühen und mitschwingen. Die dritte Phase dauert bis heute an und umfasst die akustischen Werke, die Éliane Radigue in enger Zusammenarbeit mit Musiker-Kompliz*innen unterschiedlichster künstlerischer Horizonte kreiert. Diese bringen eine zusätzliche relationale Dimension in eine Musik ein, die sich bis dahin im Alleingang entwickelt hatte. Im Laufe ihres Lebens hat Éliane Radigue ein aufrichtiges, anspruchsvolles und inspirierendes Werk entwickelt, das heute eine ganz neue Generation von Musiker*innen beeinflusst.“ (François Bonnet)
„Das Werk basiert auf dem Leben von Milarepa, einem großen tibetischen Yogi und Dichter aus dem 11. Jahrhundert. Die Geschichte seines Lebens, wie sie seinem engsten Schüler Rechungpa erzählt wurde, ist eines der populärsten Werke der tibetischen Kultur. Das ‚Mila Kabum‘ oder ‚Namthar‘ war eines der ersten Werke, das in eine westliche Sprache übersetzt wurde. In dieser Geschichte von Milarepas Leben sind legendäre und reale Ereignisse eng miteinander verwoben. Die Erzählung besteht aus neun Teilen, denen ein Präludium vorausgeht und die den großen Perioden im Leben des berühmten Yogis entsprechen. Sie gehen musikalisch ohne Unterbrechung ineinander über, wobei die eine auf natürliche Weise die andere hervorbringt.“ (Éliane Radigue)
Éliane Radigue
Jetsun Mila (1986)
Musik für Lautsprecher / ARP 2500 Synthesizer auf Tonband, 84 min 24 sec
1. Prélude
2. Les origines
3. Les méfaits
4. Rencontre avec Marpa
5. Les épreuves
6. La pratique
7. Visite au pays natal
8. Les retraites
9. La réalisation
10. La mort
Produziert und gemischt im Jahr 1986 im Studio von Éliane Radigue in Paris.
Digitales Mastering: Bill Kipper
Technische Unterstützung bei der Endmischung: Marc Moreau
Tonmischung: GERM
François J. Bonnet – Klangregie