Konzert & binauraler Audio-Livestream | Éliane Radigue

Éliane Radigue: The Electronic Works 15

L’Île re-sonante (2000)

Kreiert im November 1998 für das Center for New Music and Audio Technologies CNMAT in Berkeley, Kalifornien.

Drehknöpfe eines ARP-Synthesizers

„Éliane Radigue – Échos“. Ein Film von Éleonore Huisse und François Bonnet, F 2021, Film Still © Éleonore Huisse, François Bonnet

„L’Île re-sonante“ spielt mit den Assoziationen zu einem widerhallenden isolierten Objekt. Mit der Einführung von Soprangesang und Orgelklängen in die musikalische Textur steht das Werk auch für eine Rückkehr zu analogen Klangquellen. Es ist Radigues letztes Werk mit dem Synthesizer ARP 2500.

MaerzMusik feiert den 90. Geburtstag der französischen Musikpionierin Éliane Radigue mit der erstmaligen Live-Präsentation ihres gesamten elektronischen Musikschaffens.
Eine Reihe von siebzehn Konzerten unter der Klangregie von François Bonnet, alias Kassel Jaeger, erstreckt sich über das gesamte Festival. In der einzigartigen akusmatischen Umgebung des Zeiss-Großplanetariums versucht diese Hommage die bezaubernde Tiefe von Radigues Musik für Lautsprecher, die zwischen 1970 und 2000 entstanden ist, vollständig zu erschließen.

„Éliane Radigue wurde am 24. Januar 1932 in Paris geboren, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Durch eine umsichtige Klavierlehrerin erlebte sie in ihrer Kindheit in Paris eine geheimnisvolle Initiation in die Musik. Später kommen die Harfe, das Singen und die Komposition hinzu. Aber erst durch den Kontakt mit der ‚musique concrète‘, an der Seite von Pierre Schaeffer und später Pierre Henry, findet die Musik von Radigue ihren eigenen authentischen Weg.
Über einen Zeitraum von über 50 Jahren erstrecken sich drei verschiedene Phasen in ihrem Schaffen. Jede von ihnen markiert einen Bruch und ist zugleich inspiriert durch die Erkundung und Erforschung von Schwellen, von Räumen, die sich in den Intervallen auftun, und vom Dialog zwischen Hörerfahrung und innerer Erfahrung, persönlicher Geschichte und sinnlicher Erinnerung. Die erste Phase (1968–1971) betrifft die Arbeit mit Feedback und ‚Re-Injektionen‘ – eine embryonale Phase, die bereits Radigues äußerste Sorgfalt und Arbeit mit Schwellen und bedrohten Equilibrien erkennen lässt. Die zweite, reife Phase, die sich über dreißig Jahre (1971–2001) erstreckt, ist von der fruchtbaren Produktion elektronischer Kompositionen geprägt, die ihre Musik unauslöschlich mit den einzigartigen Beats des ARP 2500 Synthesizers verbindet. In dieser Phase beginnt die Entwicklung langer Formen mit subtilen Variationen, die zwischen der von der Musik getragenen Geschichte und der für ihre Entfaltung notwendigen Zeitspanne aufblühen und mitschwingen. Die dritte Phase dauert bis heute an und umfasst die akustischen Werke, die Éliane Radigue in enger Zusammenarbeit mit Musiker-Kompliz*innen unterschiedlichster künstlerischer Horizonte kreiert. Diese bringen eine zusätzliche relationale Dimension in eine Musik ein, die sich bis dahin im Alleingang entwickelt hatte.
Im Laufe ihres Lebens hat Éliane Radigue ein aufrichtiges, anspruchsvolles und inspirierendes Werk entwickelt, das heute eine ganz neue Generation von Musiker*innen beeinflusst.“ (François Bonnet)

„Ein Projekt, das im November 1998 für das Center for New Music and Audio Technologies (CNMAT) in Berkeley und seinen Direktor David Wessel entstand.
Zunächst ‚L'Île Sonante‘ – ‚Klanginsel‘ – in Anlehnung an … Aber auch ein Titel, der so passend für diesen Ort erschien, der sich an den Hang eines Hügels schmiegt und zu dem ein Steg führt. Michel Chion hatte mir freundlicherweise erlaubt, diesen Titel mitzubenutzen. Ich danke ihm dafür.
Dann wurde es zu ‚Re-sonante‘ offensichtlich, eine Rückkehr zu analogen Klangquellen, nach einem langen, völlig gescheiterten Versuch, in MIDI und andere digitale Medien zu konvertieren.
Dank an Gérard Pape, der die Rehabilitation des Serge Modular vorgeschlagen hat, und an David Jisse, der ihn in seinem Studio willkommen geheißen hat. Die Stunden, die ich mit dem Serge, diesem wunderbaren Instrument, verbracht habe, haben mich einige Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt, in der ich ARP entdeckt habe. So konnte ich versuchen, die Qualitäten dieser beiden Instrumente, die zu den besten ihrer Generation gehören und ungefähr gleich alt sind, miteinander zu kombinieren …
‚Re-sonante‘ ist auch die Konzeption des Stücks, ein sehr klassischer Aufbau, bei dem sich der erste Teil im Mittelteil spiegelt, der wiederum wie der Spiegel eines Sees ist, aus dem der dritte Teil hervorgeht, sowohl aus seinen Tiefen als auch aus seinem Spiegelbild.“ (Éliane Radigue)

Programm

Éliane Radigue
L’Île re-sonante (2000)
Musik für Lautsprecher / ARP 2500 Synthesizer und Serge Modular, 55 min 4 sec

Komponiert und gemischt zwischen 1998 und 2000 im Studio von Éliane Radigue in Paris.
Assistent: Brian O’Reilly
Digitales Mastering: Lionel Marchetti
Tonmischung: CCMIX

Besetzung

François J. BonnetKlangregie