Konzert
Pascale Criton / Peter Ablinger

Ensemble Dedalus © Christophe Chaverou
„Jede Situation ist eine Studie, ein Experiment, das seine eigenen Mittel entwickelt. Experimentieren Sie, interpretieren Sie niemals!” Dieser Ausspruch der Klangphilosophin Pascale Criton charakterisiert auf treffende Weise die Arbeitspraxis der langjährigen Wegbegleiter*innen des Ensemble Dedalus, die im Rahmen von MaerzMusik 2026 in verschiedenen Portrait-Konzerten präsentiert werden. Mit Peter Ablinger, der 2025 verstorben ist, würdigt das Ensemble einen radikalen Denker und Zweifler des Klangs. Seinen Werken, die sich mit dem Geschehen der Unterbrechung auseinandersetzen, stehen aktuelle Kompositionen von Criton gegenüber, die der Materialität des Klangs nachspüren.
Peter Ablingers subtile offene Partituren, die oft auf knappen Anweisungen und pointierten Zeichnungen beruhen, bestimmen sowohl sein Werk Instruments & (sketchbook) als auch die Reihe WEISS / WEISSLICH, die der lange Zeit in Berlin lebende österreichische Komponist über 30 Jahre hinweg ständig weiterentwickelte. Das Ensemble Dedalus präsentiert einige Teile aus Instrument und Rauschen, bei der einzelne Instrumente mit unterschiedlichen Qualitäten von Rauschen, Noise und mikrotonalen Klanggebilden kontrastiert werden.
Pascale Criton experimentiert seit ihrer Kindheit mit fein justierten Instrumenten, die sie für ihre Kompositionen bis hinunter auf ein Sechzehntel eines Standardtons stimmt. Das Ensemble Dedalus widmet sich aktuellen Werken der französischen Komponistin: Das Quintett Process spielt mit einem Gleichgewicht freischwebender Variablen, die zunächst angespannt sind und dann langsam in eine absteigende Bewegung übergehen. Diese mobilen Elemente stabilisieren sich allmählich zu einem regelmäßigen Schwebungsmuster. Steppings basiert auf einem konstanten perkussiven Motiv. Darüber erzeugen die mikrotonal gestimmten Streichinstrumente sowie multiphon gespielte Blasinstrumente feine Klangvariationen. Streams erforscht Transformationen des Klangs im Zusammenspiel mit dem ihn umgebenden Raum. Die fünf Instrumente spielen mit winzigen Abwandlungen, die das Auftreten von Interferenzen und anderen psychoakustischen Phänomenen begünstigen.
Im Rahmen von MaerzMusik gibt das Ensemble Dedalus in mehreren Portrait-Konzerten Einblick in einzigartige Projekte, die alle auf offenen Partituren basieren. Durch diese und dank der außergewöhnlichen Musiker*innen konnte ein ganz eigener, dichter Klang entwickelt werden. Die künstlerische Praxis des Ensembles entzieht sich traditionellen Kategorien, folgt elaborierten Konzepten und vermittelt doch eine sinnliche Erfahrung, die ebenso radikal wie fesselnd, so subtil wie kraftvoll ist.
Peter Ablinger
WEISS / WEISSLICH 17, Instrument und Rauschen (1994–2023)
17b: Violine und Rauschen (1995)
17d: Flöte und Rauschen (1996)
17f: Sopransaxofon und Rauschen (1996)
17o: Viola und Sinuston (2016/17)
17p: Trompete und Rauschen (2017)
17q: Bassposaune und Rauschen (2017)
Instruments & (sketchbook) (2015)
für Ensemble und Live-Elektronik
Pascale Criton
Process (2013)
für Flöte, Posaune, Violine, Cello und Gitarre
Steppings (2013)
für Flöte, Posaune, Violine, Cello und Gitarre
Streams (2025)
für Flöte, Posaune, Violine, Cello und Gitarre
Auftragswerk von klub katarakt
Ensemble Dedalus
Didier Aschour – Gitarre
Amélie Berson – Flöte
Pierre-Stéphane Meugé – Saxophon
Christian Pruvost – Trompete
Thierry Madiot – Posaune
Silvia Tarozzi – Violine
Cyprien Busolini – Viola
Deborah Walker – Violoncello
Ensemble Dedalus wird unterstützt von DRAC Occitanie und Conseil Régional Occitanie. Weitere Förderer sind SACEM, SPEDIDAM, Maison de la Musique Contemporaine, Impuls Neue Musik und Occitanie en Scène.