Konzert

WDR Sinfonieorchester

Kent Nagano, Leitung
Alex Nante / Yvonne Loriod (UA) / Felix Mendelssohn Bartholdy

Ein älterer Mann mit grauen Haaren sitzt vor einer aufgeschlagenen Partitur und schaut nachdenklich an der Kamera vorbei.

Kent Nagano © Antoine Saito

Eine musikalische Sensation: Die hoch expressive Musik von Yvonne Loriod erwacht zu neuem Leben. Die brillante Pianistin und legendäre Klavierpädagogin, 1924 in Paris geboren, war zu Lebzeiten vor allem als Interpretin der Musik ihres Mannes Olivier Messiaen bekannt. Das WDR Sinfonieorchester und Kent Nagano bringen erstmals eine ihrer zahlreichen eigenen Kompositionen für Orchester ans Tageslicht: La Sainte Face für Sopran und Orchester. Sarah Aristidou verleiht dieser lange im Verborgenen gebliebenen, religiös geprägten Musik ihre Stimme. Außerdem erklingen Felix Mendelssohn Bartholdys „Reformations-Sinfonie“ und das 2025 uraufgeführte Stück Ein feste Burg von Alex Nante. 

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer

Zu Martin Luthers bekanntesten Kirchenliedern gehört Ein feste Burg ist unser Gott, das zu einem klingenden Symbol der kirchlichen Erneuerung wurde: Noch Heinrich Heine bezeichnete das Stück als „Marseiller Hymne der Reformation“. Insofern war es naheliegend, dass Felix Mendelssohn Bartholdy in seiner „zur Feyer der Kirchenreformation“ komponierten d-Moll-Sinfonie auf eben diese Luther-Hymne zurückgriff, die auch Grundlage des gleichnamigen Bach-Choralsatzes BWV 301 ist. Letzteren nahm Alex Nante zum Ausgangspunkt seines Orchesterstücks, wobei auch Bachs Choral So gehst du nun, mein Jesu, hin, den Tod für mich zu leiden anklingt: „Als Christ“, so der argentinische Komponist, „empfand ich das Bedürfnis, beide Aspekte – das Leiden und die Herrlichkeit Christi – musikalisch darzustellen, da das eine ohne das andere nicht existieren kann.“

Eine weitere Sicht auf den Glauben eröffnet Yvonne Loriods La Sainte Face. Das mit schwarzer Tinte auf 280 Partiturseiten von Hand niedergeschriebene Werk für Sopran und Orchester besteht aus 15 ganz unterschiedlich instrumentierten Stücken. Als 21-jährige Studentin von Darius Milhaud komponierte Loriod für eine ungewöhnliche Besetzung: Solo-Sopran, 8 Flöten, Holz- und Blechbläser, ein großes Aufgebot an Schlagwerk, wenige Streicher, 2 Harfen, Klavier, Celesta und 2 Ondes Martenot – ein frühes elektronisches Instrument. Eine musikalische Sensation, da das bereits 1945 entstandene Orchesterwerk nun über 80 Jahre später seine Uraufführung erlebt. Loriods kompositorisches Schaffen wird erst noch entdeckt – unter anderem von Kent Nagano, der als Dirigent das Musikleben Berlins entscheidend geprägt hat. Etliche groß angelegte Orchesterwerke seiner früheren Lehrerin hat Nagano in der Pariser Nationalbibliothek entdeckt und entreißt sie mit dem WDR Sinfonieorchester nun vor dem Vergessen.

Programm

Alex Nante (*1992)
Ein feste Burg (2025)
Komposition für Orchester über den Choral von Johann Sebastian Bach BWV 302

Yvonne Loriod (1924–2010)
La Sainte Face (1945)
Uraufführung

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Sinfonie Nr. 5 d-Moll „Reformations-Sinfonie“ (1830)

Mitwirkende

Sarah AristidouSopran

WDR Sinfonieorchester
Kent NaganoLeitung

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin