Konzert

WDR Sinfonieorchester I

Kent Nagano, Leitung
Alex Nante / Yvonne Loriod (UA) / Felix Mendelssohn Bartholdy

Schwarz-Weiß-Porträt von  Yvonne Loriod am Klavier sitzend

Yvonne Loriod © akg-images / Marion Kalter

Eine musikalische Sensation: Die hoch expressive Musik von Yvonne Loriod wird aus der Taufe gehoben. Die brillante Pianistin und legendäre Klavierpädagogin, 1924 in Paris geboren, war zu Lebzeiten vor allem als Interpretin der Musik ihres Mannes Olivier Messiaen bekannt. Das WDR Sinfonieorchester und Kent Nagano bringen erstmals eine ihrer zahlreichen eigenen Kompositionen für große Besetzung ans Tageslicht: La Sainte Face, eine 15-sätzige musikalische Beschreibung des heiligen Antlitzes für Sopran und Orchester. Sarah Aristidou verleiht dieser lange im Verborgenen gebliebenen, religiös inspirierten Musik ihre Stimme. Außerdem erklingen Felix Mendelssohn Bartholdys „Reformations-Sinfonie“ und das 2025 uraufgeführte Stück Ein feste Burg von Alex Nante. 

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer


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WeitereHinweise

Zu Martin Luthers bekanntesten Kirchenliedern gehört Ein feste Burg ist unser Gott, das zu einem klingenden Symbol der kirchlichen Erneuerung wurde: Noch Heinrich Heine bezeichnete das Stück als „Marseiller Hymne der Reformation“. Insofern war es naheliegend, dass Felix Mendelssohn Bartholdy in seiner „zur Feyer der Kirchenreformation“ komponierten d-Moll-Sinfonie auf eben diese Luther-Hymne zurückgriff, die auch Grundlage des gleichnamigen Bach-Choralsatzes BWV 302 ist. Letzteren nahm Alex Nante zum Ausgangspunkt seines Orchesterstücks, wobei auch Bachs Choral So gehst du nun, mein Jesu, hin, den Tod für mich zu leiden anklingt: „Als Christ“, so der argentinische Komponist, „empfand ich das Bedürfnis, beide Aspekte – das Leiden und die Herrlichkeit Christi – musikalisch darzustellen, da das eine ohne das andere nicht existieren kann.“

Eine weitere Sicht auf den Glauben eröffnet Yvonne Loriods La Sainte Face. Das mit schwarzer Tinte auf 280 Partiturseiten von Hand niedergeschriebene Werk für Sopran und Orchester besteht aus 15 ganz unterschiedlich instrumentierten Stücken. Als 21-jährige Studentin von Darius Milhaud komponierte Loriod für eine ungewöhnliche Besetzung: Solo-Sopran, 8 Flöten, Holz- und Blechbläser, ein großes Aufgebot an Schlagwerk, wenige Streicher, 2 Harfen, Klavier, Celesta und 2 Ondes Martenot – ein frühes elektronisches Instrument. Eine musikalische Sensation, da das bereits 1945 entstandene Orchesterwerk nun über 80 Jahre später seine Uraufführung erlebt. Loriods kompositorisches Schaffen wird erst noch entdeckt – unter anderem von Kent Nagano, der als Dirigent das Musikleben Berlins entscheidend geprägt hat. Etliche groß angelegte Orchesterwerke seiner früheren Lehrerin hat Nagano in der Pariser Nationalbibliothek erstmals in den Händen gehalten und entreißt sie mit dem WDR Sinfonieorchester nun dem Vergessen.

Programm

Alex Nante (*1992)
Ein feste Burg (2025)
Komposition für Orchester über den Choral BWV 302 von Johann Sebastian Bach 

Yvonne Loriod (1924–2010)
La Sainte Face (1945)
Uraufführung

TEIL I
1. Erscheinung auf dem Heiligen Grabtuch von Turin
2. Der schmerzverzerrte Mund
3. Die misshandelte Nase
4. Die zarten Augenlider, die die Tränen – kostbare Diamanten – verhüllen – Heilige Theresa
5. Über geschwollene Wangen fließen brennende Tränen
6. Die Wunden der Dornenkrone 
7. Die Augenbrauen, die das Blut der Wunden auffangen
8. Das feine schwarze Haar, mit Spucke besudelt
9. Das zarte, abgezehrte Gesicht 
10. Die Züge des Heiligen Antlitzes erscheinen auf uns wie eine unsterbliche Träne 
11. Gesicht des Friedens, vom Dickicht der Haare umrahmt... Göttliches Vorbild der Klöster, die seine Ruhestätte werden
12. Gott aufgeben
13. Betrachten wir mit halbgeschlossenen Augen das Heilige Antlitz, so scheint es uns, als sähen wir in seinen Zügen die Verzweiflung und das Ungleichgewicht der Natur im Augenblick des Todes
14. Die wütende Qual des Bösen auf dem Heiligen Antlitz
TEIL II
15. Nachsinnen über die Lilie

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 „Reformations-Sinfonie“ (1830)

Mitwirkende

Sarah AristidouSopran
Nathalie Forget Ondes Martenot
Imsu Choi Ondes Martenot

WDR Sinfonieorchester
Kent NaganoLeitung

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin