Die Auswahl für das Tanztreffen der Jugend 2026 steht fest!
Über 60 Produktionen aus der gesamten Bundesrepublik haben sich für das diesjährige Tanztreffen der Jugend beworben. Nachdem die Fachjury die Tanzstücke der Zwischenauswahl live gesichtet hat, haben die Juror*innen nun 10 Produktionen in die Endauswahl genommen. Wir danken der Jury für ihre gewissenhafte und engagierte Arbeit und gratulieren den Preisträger*innen:
Die Ermittlung – nach Peter Weiss
Oberstufentheatergruppe des Dientzenhofer-Gymnasiums
Bamberg, Bayern
dg-info.de
find no words to say
JugendTanzCompany fabrik Potsdam
Brandenburg
fabrikpotsdam.de
Herzhaft romantisch
TanzTheater-AG Neukölln 11, Schule am Bienwaldring, Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Berlin
schule-am-bienwaldring.de
LA PREMIERE FOIS
EMMATHEO
Stuttgart, Baden-Württemberg
instagram.com/emma_theo.z
Nichts wird vergessen
Perform[d]ance Jugendkompanie, Perform[d]ance e. V.
Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern
performdance.de
Schwarz
Zhechang Yuan AKA Mr. Chaos
München, Bayern
Streetvoices
SYMBIONYX Jugend Tanz Company, Freie Gruppe unter der Leitung von Sonja Reischl
Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
instagram.com/symbionyx_dancecompany
Till Eulenspiegel – Teile Von Mir
theater für niedersachsen, tfn-Jugendensemble in Kooperation mit SALTAZIO, Schule der Tanzkünste
Hildesheim, Niedersachsen
tfn-online.de/programm/produktion/eulenspiegel-tanz, saltazio.de
ver_rückt
iMove, Saarländisches Staatstheater
Saarbrücken, Saarland
blog.staatstheater.saarland/imove-das-jugendtanzensemble-stellt-sich-vor
zwischenkörpern
Soley Huber und Jonathan Walker
tanzApartment-Studio
Berlin
tanzapartment.de
Unter den ausgewählten Arbeiten finden sich ein Solo und zwei Duette ebenso wie Ensembleproduktionen mit bis zu 20 Tanzenden. Darunter Stücke von 10 oder 15 Minuten Länge bis hin zu abendfüllenden Choreografien. Unter den Preisträger*innen befindet sich auch ein inklusives Ensemble. Die Beiträge entstanden in sehr unterschiedlichen Kontexten – in Schulen, an Theatern der freien Szene, in Jugendclubs an Staatstheatern, in freien Gruppen innerhalb von Jugendkulturzentren sowie in Tanztheatern und Tanzschulen.
Auffällig ist, dass viele Produktionen die Spartengrenzen ausloten und sich übergreifender künstlerischer Praktiken bedienen. In mehreren Arbeiten zeigt sich eine enge Verbindung von Tanz und Schauspiel. Es gibt Stückentwicklungen, Collagen, Bearbeitung von klassischen Stoffen oder philosophischen Themen. Die Arbeiten haben mitunter starke politische und gesellschaftskritische Anliegen und verstehen sich als aktivistisches Engagement. Gearbeitet wird mit reduzierten, abstrakten Bildern, chorischem Sprechen oder direkter Interaktion mit dem Publikum. Teilweise treten die Performer*innen in einen unmittelbaren Dialog mit den Zuschauer*innen, brechen Erwartungen auf oder fordern eine aktive Auseinandersetzung heraus. Die Produktionen zeichnen sich durch einen interdisziplinären Ansatz aus: Neben Tanz fließen Elemente aus Schauspiel, Objekttheater, Maskenspiel und bildender Kunst ein. Projektionen, Texte im Bühnenraum, Live-Kamera, Eigenkompositionen, Live-Musik sowie performative Elemente wie Live-Graffiti erweitern die choreografischen Arbeiten zu teils installativen Bühnenräumen. Kostüme und Bühnenbilder sind häufig bewusst gestaltet und tragen durch Farben, Materialien und Masken wesentlich zur Bildsprache bei.
Thematisch ist das Spektrum breit und zugleich von einer starken gesellschaftlichen Relevanz geprägt. Mehrere Arbeiten setzen sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander, unter anderem mit dem ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963 – 1965) und mit Erinnerungen von Zeitzeug*innen, die den Holocaust überlebt haben. Ausgangspunkte wie Peter Weiss’ Die Ermittlung dienen dabei als literarische Vorlage. Diese Stücke verstehen sich als Beitrag zur Erinnerungskultur und als künstlerisches Mittel gegen das Vergessen. Sie formulieren ein klares Anliegen, jungen Menschen historische Verantwortung nahezubringen und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen – insbesondere rechtspopulistischen Tendenzen – etwas entgegenzusetzen. Tanz wird hier als Ausdrucksform genutzt, um das Unsagbare sichtbar zu machen und emotionale Zugänge zu eröffnen, wo Sprache an ihre Grenzen stößt.
Daneben beschäftigen sich die Arbeiten mit persönlichen und existenziellen Fragestellungen: Momente überwältigender Gefühle, in denen Worte fehlen; die Suche nach der eigenen Stimme; Angst und Selbstvertrauen, etwa im Kontext urbaner Tanzkulturen; zwischenmenschliche Beziehungen und der Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden. Auch philosophische Themen wie Liebe, Verlust, Tod und Lebenszyklen werden verhandelt. Gesellschaftskritische Perspektiven zeigen sich beispielsweise in Auseinandersetzungen mit Normen und Konventionen (etwa anhand der Figur Till Eulenspiegel), mit den UN-Kinderrechten oder mit der Frage, was „Normalität“ und „Verrücktheit“ in der heutigen Zeit bedeuten.
Stilistisch bewegen sich die ausgewählten Stücke zwischen zeitgenössischem Tanz und urbanen Stilen wie Hip-Hop, Breaking, House, Krump, Waacking, Popping oder Locking. Ergänzt wird dies durch Physical Theatre, Improvisation, Contact Improvisation sowie durch Einflüsse historischer Tanzformen und außereuropäischer Bewegungstraditionen, etwa aus der chinesischen Kampfkunst. Die jungen Tanzschaffenden zeigen ein großes Interesse an Forschung und entwickeln etwa aus Alltagsbewegungen eigenes choreografisches Material oder kreieren aus den erlernten Stilen eigene Bewegungsqualitäten.
Im Entstehungsprozess wurde überwiegend kollaborativ und partizipativ gearbeitet. Gemeinsame Recherche, Schreibprozesse, Improvisationen und Verfremdung bilden die Grundlagen der choreografischen Arbeit. Persönliche Erfahrungen und Statements der Beteiligten fließen oft direkt in die Stücke ein. Daraus entstehen Arbeiten mit einer bemerkenswerten Präsenz, einer hohen technischen Qualität und einer großen Ausdruckskraft. Die beeindruckende Kraft der Bewegungen, die Synchronität in den Ensembles sowie die Fähigkeit, Tanz als Sprache für das Nicht-Sagbare einzusetzen, prägen die Auswahl in besonderer Weise.
Wir gratulieren insbesondere auch nochmals den Ensembles der Zwischenauswahl zu ihren bemerkenswerten Tanzstücken! Sie werden mit einer Delegation am Tanztreffen der Jugend teilnehmen.
gemEinsam
Jugendtanzensemble, Tanzerei-Verein e. V.
Fürth, Bayern
jugendtanzensemble.de
Interlude Inn
Juniorcompany der Älteren, Leipziger Tanztheater e. V.
Leipzig, Sachsen
leipzigertanztheater.de
PUSHED
ARS SALTANDI Concept Company, ARS SALTANDI e. V.
Hildesheim, Niedersachsen
arssaltandi.de
SCHOCK
ACADEMY – Bühnenkunstschule für Jugendliche
Berlin
academy-buehnenkunstschule.de
TRACKS
Jugendkompanie tanzhaus nrw
Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
tanzhaus-nrw.de/de/veranstaltung/2026/05/tracks
WIR!
Jugendkultursommer Ingolstadt – ein inklusives, kulturpädagogisches Tanztheater
Stadtjugendring Ingolstadt des Bayerischen Jugendring (KdöR)
Ingolstadt, Bayern
sjr-in.de/jugendkultursommer