Gespräch | General Idea
Ben Miller und Elif Saydam im Gespräch, mit einer Einführung von Christopher Wierling

General Idea, Shut the Fuck Up, 1984 © General Idea, Courtesy: Electronic Arts Intermix (EAI), New York; Stedelijk Museum Amsterdam
Dem Ansatz von Bad Gays folgend, einem Podcast und Buch über böse und komplizierte Queers in der Geschichte, befasst sich das Gespräch mit den Komplexitäten von Selbstbestimmung, künstlerischer Imagination und nicht-normativen Verhaltensweisen jenseits des „Good Queer, Bad Queer“-Dilemmas von Repräsentationspolitiken.
Glamour, Camp und Dekoration gelten oft als belanglos und hohl, als bloße Ästhetiken, die nicht ernst zu nehmend sind. General Idea hat immer wieder mit diesen Annahmen gespielt und so Ikonen der Moderne gequeert und eigene Regeln dafür erfunden, was es bedeuten kann, als Künstler*innen zusammen zu leben und zu arbeiten.
In diesem interdisziplinären und künstlerischen Austausch denken Historiker Ben Miller und Künstler*in Elif Saydam gemeinsam über Ornamente und visuelle Kulturen in Beziehung zu queer-politischer Geschichte und Überleben nach. Unter Einbezug der Kritik von AIDS-Aktivist*innen und anderen Künstler*innengruppen an der Imagevirus-Serie von General Idea untersucht das Gespräch, wer und was als „böse“ gilt und worin das befreiende Potenzial der Wiederaneignung von F*ggotry liegt.
Der Autor und Historiker Ben Miller lebt in Berlin. Zusammen mit Huw Lemmey hat er das Buch Bad Gays: A Homosexual History (2022) geschrieben, welches mittlerweile in drei Sprachen übersetzt wurde und den Goodreads Choice Award in der Kategorie Geschichte und Biografien gewonnen hat. Miller ist Doktorand der Global Intellectual History an der Freien Universität Berlin, regelmäßiger Beitragender zum Kulturteil der New York Times. Seine Buchkritiken und Essays sind unter anderem im Baffler und The Los Angeles Review of Books erschienen. Er ist der Autor von Time Is A Queer Thing (Media Guru Editions, 2019) und The New Queer Photography (Verlag Kettler, 2020). Seit 2018 ist Miller im Vorstand des Schwulen Museums in Berlin, einer der weltweit größten unabhängigen Institutionen, die sich dem Archivieren und Ausstellen von queerer Geschichte und visuellen Kulturen widmet.
Künstler*in Elif Saydam lebt in Berlin. Saydam absolvierte einen Bachelor of Fine Arts an der Concordia University, Montréal, und den Meisterschüler an der Städelschule, Frankfurt am Main. In Saydams erweiterter Malerei-Praxis werden Ornamentik und Verzierung eingesetzt, um Systeme der Bewertung und Betonung neu zu ordnen. Aktuelle Einzel- und Gruppenausstellungen umfassen Eviction Notice in den Oakville Galleries, Kanada; ...schläft sich durch im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg; Die Wissen im TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, Innsbruck; Lose Enden in der Kunsthalle Bern; und F*rgiveness bei Tanya Leighton, Berlin. Saydams Monographie TWO CENTS erschien 2022 bei Mousse Publishing. 2024 wird Saydam als Stipendiat*in des Atelierstipendiums der Hessischen Kulturstiftung in New York verbringen.