© Laura Fiorio

Gropius Bau Friends

Die Gropius Bau Friends sind an mehreren Tagen der Woche als Ansprechpartner*innen vor Ort im Gropius Bau. Sie vermitteln die Ausstellungen individuell und haben ein offenes Ohr für die Besucher*innen. Erkennbar sind die Friends an schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck „Gropius Bau“.

Zu den Gropius Bau Friends gehören derzeit:
Umut Azad Akkel, Erikas Ingber, Vera Moré, Petra Petrick, Zorica Radivojevic-Llalloshi, Veronika Zimmer, El Yusser Sebihi, Alina Amer

Die Friends empfehlen

(2019–2021)

Die Gropius Bau Friends verbringen viele Stunden in den Ausstellungsräumen, Eingangsbereichen, Fluren und etlichen anderen Orten im Gropius Bau. Dort sprechen sie mit Besucher*innen über deren Fragen und Eindrücke und geben nützliche Tipps rund um den Besuch des Hauses. Was erleben sie bei dieser Arbeit? Was bleibt in Erinnerung? Worauf freuen sie sich gerade besonders? Von 2019 bis 2021 haben die Friends in der Reihe Die Friends empfehlen ihre persönliche Perspektive auf Ausstellungen und künstlerische Arbeiten geteilt. 

von links oben nach rechts unten: Erikas Montoya, Nesrine Ben Mansour, Cennet Alkan, Christopher-Felix Hahn, Petra Petrick, Veronika Zimmer, Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi, Jens Dierkes, Vera Moré, Hans Youssuf Kiesler, Miriam Ewering (Gropius Bau Vermittlung), Umut Azad Akkel; es fehlen: Danae Yolanda Diettrich, Şehnaz Layıkel Prange, Niusha Ramzani

von links oben nach rechts unten: Erikas Montoya, Nesrine Ben Mansour, Cennet Alkan, Christopher-Felix Hahn, Petra Petrick, Veronika Zimmer, Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi, Jens Dierkes, Vera Moré, Hans Youssuf Kiesler, Miriam Ewering (Gropius Bau Vermittlung), Umut Azad Akkel; es fehlen: Danae Yolanda Diettrich, Şehnaz Layıkel Prange, Niusha Ramzani

Foto: Laura Fiorio

Jens Dierkes

zu Ámà: The Gathering Place

Manchmal bemerkt man erst, wenn etwas nicht mehr da ist, was es einem bedeutet: Emeka Ogbohs Installation Ámà: The Gathering Place ist ein „Versammlungsort“ unter dem großen Baobab-Baum im Lichthof des Gropius Bau. Und genau diese Empfindung des fast physisch empfundenen Vermissens kam überraschend bei mir auf, als das Kunstwerk wegen diverser Veranstaltungen für ein paar Wochen verschwunden war. Nun ist es noch bis heute wieder zurück an seinem Platz. Die Sitzkuben des nachempfundenen Dorfplatzes regen zum Verweilen und zum Austausch an. Die begleitende 12-Kanal-Soundinstallation ergänzt das Werk mit Chor-Aufnahmen von traditionellen Igbo-Volksliedern zu jeder vollen Stunde für 40 Minuten. Gönnen Sie sich diese besondere Klangerfahrung und schreiten Sie die 12 Lautsprecher einzeln ab. So lauscht man den wundervollen Stimmen in all ihrer individuellen Brillanz. Wenn Sie sich dann körperlich dem Baum nähern, werden sie die verschiedenen Gesänge als Gesamterlebnis eines Chores vereint in Ihren Ohren wahrnehmen. Diese künstlerische Arbeit ist für mich ein besonderer Ort des Austausches und ein Stück Schutz und Zuversicht fast wie ein echter Dorfplatz.

Jens Dierkes ist schon seit 4 Jahren in verschiedenen Positionen im Gropius Bau tätig.

Emeka Ogboh, Ámà: The Gathering Place, 2021, Installationsansicht, Gropius Bau, Berlin

Emeka Ogboh, Ámà: The Gathering Place, 2021, Installationsansicht, Gropius Bau, Berlin

Umut Azad Akkel

zu Beirut and the Golden Sixties: A Manifesto of Fragility

Auf engem Raum: viel Geschichte, Farben, Gefühle und Dynamik. Die Ausstellung bietet verschiedene Wege, um unterschiedliche und doch miteinander verbundene Erzählungen zu betrachten – genau wie die Geschichte Beiruts. Erzählungen von einer müden Stadt und Menschen, die Zerstörung und Wiederaufbau erlebt haben, immer und immer wieder. Die meisten Werke sind auf unvollendeten wandähnlichen Strukturen ausgestellt. Es sind die Verbindungen zwischen ihnen, also die Geschichten zwischen diesen unvollendeten Wänden, die uns ein besonderes Dazwischen und Über-Zeitliches erleben lassen.

Eine Wand in der Ausstellung sticht besonders heraus: trotz all der Farben im Raum ist sie nur schwarz und weiß. An dieser Wand sehen wir zwei Werke von Assadour Bezdikian (1977 und 1978), die über einer großformatigen Fotografie von Straßenkämpfern während des libanesischen Bürgerkriegs (1976) hängen. Diese Kombination erweckt den Eindruck, dass die Kunstwerke die Motivation und die Atmosphäre für die Aufnahme des Fotos geschaffen haben. Die Werke haben keine Farbe (sie sind schwarz-weiß); die Formen sind starr und grob. Als ob es keine Freude gibt – nur Schaden; keine Gegenwart, nur Zukunft oder Vergangenheit. In der Realität, die wir in Bezdikians Werken beobachten, ist sogar die Wirkung eines geworfenen Steins berechnet. Es ist eine vertraute dystopische Darstellung, dass jeder Schmerz und jeder Schaden mit einem Nutzen einhergeht. Ich lese Bezdikians Werke als einen Weckruf aus einer romantischen Erlösungsgeschichte, die wir uns während unseres Ausstellungsbesuchs vorstellen könnten. Es ist ein Fenster, um die finale Explosion als Metapher für den gesammelten Schmerz, die Erschöpfung, die Auseinandersetzung und den Kampf zu sehen.

Umut Azad Akkel, Gropius Bau Friend und in Berlin und Istanbul lebender bildender Künstler

Umut Azad Akkel

Umut Azad Akkel

Foto: Laura Fiorio

Nesrine Ben Mansour

zu Dayanita Singh: Dancing with my Camera

Wenn ich vor dem Suitcase Museum stehe, denke ich an Bewegung und Veränderung. Diese Motive prägen die Ausstellung an vielen Stellen, doch hier wird für mich besonders deutlich, wie Dayanita Singh ihre „Museen“ scheinbar ohne großen Aufwand einpacken und an neue Orte transportieren kann. Mit den Lederkoffern der Künstlerin vor Augen denke ich daran, wie das Leben selbst oft als eine lange Reise beschrieben wird. Ich frage mich auch – aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse auch nicht zum ersten Mal – was ich in meine Koffer packen würde. Welche Objekte bilden mein „Museum“? Welche Fotos werden ausgewählt, um sich zu erinnern? Der Koffer enthält trotz der Auswahl, die er fordert, mehr als möglicherweise auf den ersten Blick vermutet. Als Beobachterin versuche ich die vielen Assoziationen als Einladung zum Weg- und Weiterdenken anzunehmen.

Nesrine Ben Mansour, Gropius Bau Friend und Master-Studentin der Kulturwissenschaft

Mila Panic

zu Ámà: The Gathering Place

Ein Teil der Gropius Bau Friends zu sein hat mich meine Vorstellung neu hinterfragen lassen, was es bedeutet, eine Freund*in für Besuchende zu sein und wie man Gastfreundschaft überhaupt umsetzen kann: Wie kann man sich in einem öffentlichen Raum wie zu Hause fühlen und wie können wir als Friends dies angenehm gestalten? Ámà: The Gathering Place mit der Soundinstallation von Emeka Ogboh befindet sich im Lichthof, dem Herzen des Gropius Bau. Sie zeigt, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Plattform zu haben, die für alle frei zugänglich ist und auf eigene Art und Weise genutzt werden kann. Ich sehe den Lichthof als Wohnzimmer des Gropius Bau. Ob man eine Pause macht, um die Beine hochzulegen, ein Buch aufschlägt, ins Handy schaut, eine Burg aus den Stoffwürfeln baut oder sich bei diesem kalten Wetter einfach nur aufwärmen will – der mit warmen Stimmen gefüllte Versammlungsort heißt jede*n willkommen, so wie wir, die Gropius Bau Friends, es tun.

Mila Panic, Gropius Bau Friend und bildende Künstlerin

Mila Panic

Mila Panic

Foto: Laura Fiorio

Duc Vu Manh

zu The Cool and the Cold

Während der Teilung in Ost- und Westberlin befand sich der Gropius Bau im Grenzgebiet. Heute wird genau dort die Ausstellung „The Cool and the Cold“ präsentiert, die sich mit einer bewegenden Zeit in der Geschichte auseinandersetzt. Aus der Sammlung Ludwig werden Malereien von 1960 bis 1990 aus den USA und der ehemaligen Sowjetunion gezeigt. Um wie durch die Zeit zu laufen, sind die Räume chronologisch und thematisch angeordnet. Gegenstandslose Kunst und Sozialistischer Realismus stehen sich in einer spannenden Symbiose gegenüber – spielerisch und ernst zugleich.
Nach dem Ausstellungsrundgang ist klar: was bleibt, ist nicht Ost oder West, Sowjetunion oder USA, sondern die Kunst.

Duc Vu Manh, Gropius Bau Friend, Kunstpädagoge und Masterstudent der Sozialen Arbeit

Christopher-Felix Hahn

zur Architektur des Gropius Bau

Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, dass der Gropius Bau bis 1977 eine ausgebrannte Kriegsruine ohne Dach und Fenster war, in der ein ganzer Wald von Bäumen wuchs. Damals gab es hitzige Debatten um die Wiederherstellung des Gebäudes und seine zukünftige Nutzung. Mir gefällt der dabei gefundene Kompromiss, das Gebäude zumindest in seinem Inneren nicht vollständig zu rekonstruieren. Bis heute hat die Architektur hier und dort etwas sehr Ruinenhaftes: Am Eingangsportal begrüßen mich die geköpften Skulpturen der alten Meister und schaut man im Gebäude nach oben, sieht man nackte, unverputzte Ziegelwände gleich neben opulenten wilhelminischen Stuckdecken. Kaiserzeit, Nationalsozialismus und die Teilung Deutschlands haben ihre Spuren hinterlassen. Auch wenn es keine Gedenktafeln oder Textinformationen gibt, fordert uns das Gebäude subtil zum Nachdenken auf. Das fällt besonders am Deckenfries im großen Lichthof auf: Er zeigte ursprünglich die Vertreter*innen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Kulturepochen, die Preußen ihre „Gaben“ überbringen. Der Fries wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und steht für mich symbolisch dafür, welche Konsequenzen ein nationalistisches Weltbild für Kunst und Kultur haben kann.

Christopher-Felix Hahn, Gropius Bau Friend, Theatermacher und Architekturhistoriker

Niusha Ramzani

zu Takeover. Plastik hört auf Pilz

Ich habe eine kleine Routine: Pünktlich um 12:00 mittags mache ich eine kurze Pause auf dem Südplatz. Der Platz gefällt mir. Nicht nur, weil ich dort mit größter Wahrscheinlichkeit etwas Sonne tanken kann, sondern auch weil die Schüler*innen der Picasso Grundschule durch ihre Ausstellung Takeover. Plastik hört auf Pilz den Platz in einen magischen Ort der Erfahrung und Begegnung verwandelt haben. Dort beobachte ich dann, wie Besucher*innen von Klängen überrascht werden, wie sie suchend um sich blicken und wie sie einen Ort, den sie sonst nur abwesend passiert hätten, mit allen Sinnen erleben. Mit spielerischer Leichtigkeit macht die Ausstellung aufmerksam auf all das, was sonst im Trubel einer technologisierten Welt überhört und übersehen wird und stellt die Frage: Kann man Natur eigentlich wachsen hören?

Niusha Ramzani, Gropius Bau Friend, Künstlerin, Sozialarbeiterin, Kunst- und Philosophiestudentin

Vera Moré

zum Kusama Kids Studio

Wenn ich als Friend im Gropius Bau bin, dann freue ich mich immer sehr zu beobachten, wie aktiv die Kinder das Spiel im Kusama Kids Booklet vom Vermittler*innenteam Ephra nutzen. Sie nehmen sich dadurch ihren Raum im Haus und in der Ausstellung. Sie suchen sich ihre eigenen Wege in ihrer eigenen Geschwindigkeit und brechen damit auch die üblichen Blickrichtungen und Choreografien im Ausstellungsraum auf. Das finde ich inspirierend. Im Kusama Kids Studio gibt es dann Platz, das Erlebte zu reflektieren, selbst zu malen, zu kleben oder zu lesen und einfach noch ein wenig Zeit zu verbringen. Hier habe ich das Gefühl, dass Kinder und auch Erwachsene sich die Räume des Hauses zu eigen machen und sich dort entspannter bewegen.

Vera Moré, Gropius Bau Friend, Kulturwissenschaftlerin und Performancekünstlerin

Veronika Zimmer

zum Thema „selbst aktiv werden“

Hella Jongerius: Kosmos weben ist eine faszinierende Ausstellung: Sie verbindet jahrtausendealte Handwerkskunst mit moderner Technologie – ästhetisch, tiefgründig, anregend und achtsam. Sie beinhaltet Kunstobjekte, die mich verführen, sie zu berühren. Sie erinnern mich an eigene und/oder kulturelle handwerkliche Fähigkeiten. Und dann – was für eine Überraschung: Ich kann etwas ausprobieren, zusammen mit anderen Besucher*innen im Rahmen der Arbeit Dancing a Yarn ein Seil herstellen. In einem gemeinsamen Ritual in Form eines Tanzes konzentrieren wir uns, achten aufeinander, versuchen im gleichen Rhythmus, in die gleiche Richtung und möglichst auch noch in der gleichen Geschwindigkeit die herabhängenden Bänder zu drehen. Zusammenkommen. Bänder verbinden. Loslassen. Die Stoffbänder drehen sich nun allein zu einem Seil. Wir staunen. Freuen uns. Diese Arbeit und Aktivität ermöglicht es, zu verstehen und tiefer einzutauchen in diese Kunst. Mit ein bisschen Glück wird das von uns Geschaffene Teil der künstlerischen Installationen dieser Ausstellung, die sich prozesshaft weiterentwickelt. Mehr davon!

Veronika Zimmer, Gropius Bau Friend und freie Kulturmanagerin

Amelie Hornung

zum Gropius Bau Journal

Als Studentin vermisse ich es, in vollen Bibliothekssälen zwischen rauchenden Köpfen zu sitzen und in meine Texte oder an die Decke zu starren. In meinem WG-Zimmer fehlen mir beim Lernen und Arbeiten Geräusche wie das leise Rascheln von Buchseiten, Gähnen, Seufzen und die Energie von vielen Körpern im Raum. So richtig ersetzen kann eine Online-Lesegruppe dieses Gefühl nicht. Begreift man aber das Studieren als „das Reden und Umhergehen mit anderen Menschen, das Arbeiten, Tanzen, Leiden…“ (wie Fred Moten und Stefano Harney in ihrem Buch The Undercommons), dann kann das gemeinsame Lesen und Austauschen von Gedanken eine kurze Atempause von den Herausforderungen des Alltags sein. Ein Versuch also, durch unsere Worte und die sie formenden Stimmen einen Moment der Verbindung zu schaffen, um Zuversicht und Hoffnung zu geben. Auf der Online-Plattform Gropius Bau Journal kann man sich in spannenden Essays, Interviews und Künstler*innentexten verlieren, sie laut oder leise, alleine oder gemeinsam lesen. Als Anreiz für eine selbst organisierte Lesegruppe – oder als Vorgeschmack auf kommende Veranstaltungen.

Amelie Hornung, Gropius Bau Friend und Studentin der Deutschen Philologie, Philosophie und Pädagogik

Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi

zu Yayoi Kusama: A Bouquet of Love I Saw in the Universe

In den letzten Wochen hat es mir sehr viel Spaß gemacht, mit meiner Enkeltochter einen Schneemann zu bauen. Und es ist immer so schön, aus dem Fenster zu schauen und die Jahreszeiten zu beobachten. In meinen Gedanken bin ich dann oft bei den immersiven Räumen von Yayoi Kusama. Ihre „Polka Dots“ haben für mich eine große Ähnlichkeit mit Schneeflocken, aber auch Blüten. Ich bin in großer Vorfreude, denn Kusamas Ausstellung eröffnet nun hoffentlich ab April im Gropius Bau.

Zorica „Lola“ Radivojevic-Llalloshi, Gropius Bau Friend und Museumsaufsicht im Gropius Bau

Rosa-Lena Bösl

zu Masculinities: Liberation through Photography

Januar, Schneeregen und Lockdown: alles lädt dazu ein, es sich auf der Couch gemütlich zu machen. Um doch einmal aus diesem Grau auszubrechen, bietet sich der kleine Spaziergang mit der Kuratorin Alona Pardo durch die Ausstellung Masculinities: Liberation through Photography an. Beim digitalen Schlendern durch den Gropius Bau, vorbei an verschiedensten Bildern von Männlichkeiten im Verlauf der Zeit, bekommt man nicht nur einen Eindruck von der Ausstellung, sondern auch große Lust, bald selbst wieder durch die großzügigen Räume zu wandern.

Rosa-Lena Bösl, Gropius Bau Friend und freie Museumswissenschaftlerin

Petra Petrick

zur Außenfassade des Gropius Bau

Ich sehe den Gropius Bau immer wieder gern von außen – eines der imposantesten Museumsbauten überhaupt! Und eine echte „Leistungsschau“ des Kunsthandwerks seiner Erbauungszeit, 1881. Denn man muss bedenken, dass sich zu dieser Zeit die Serienproduktion durchsetzte; handwerkliche Fähigkeiten und künstlerisches Urteilsvermögen drohten zu verkümmern. Die großen Darstellungen aus Terrakotta im Erd- und Obergeschoß, die um das ganze Haus herumreichen, zeigen Werkmeister lebensecht bei der Arbeit (hier Korbflechter und Drucker). Ein Spaziergang um das Gebäude erinnert auf eindrucksvolle Weise daran, dass der Gropius Bau als Kunstgewerbeschule gegründet wurde – und stellt mir immer wieder auch Fragen nach dem Verhältnis von Kunst und Handwerk heute.

Petra Petrick, Gropius Bau Friend und Fotografin

Hans Youssuf Kiesler

zu Otobong Nkangas Carved to Flow

There’s No Such Thing as Solid Ground heißt die Ausstellung von Otobong Nkanga – und genau darum geht es hier: denn „Ground“, das ist auch Erde. Im Arbeitsraum des Projektes Carved to Flow (2017–2020) arbeitet Nuno Vasconcelos, Architekt und Forscher. Er experimentiert mit verschiedenen Sorten Erde (grob, kieselig, steinig, fein…) um die richtige Mischung für eine solide Wand zu erschaffen. Das Highlight aber ist Nuno selbst. Man kommt ins Gespräch, erfährt Erde neu, teilt Ansichten, entdeckt Inhalte und kann dabei selbst mit anpacken.

Hans Youssuf Kiesler, Gropius Bau Friend und Schauspieler

Şehnaz Layıkel

zu Lee Mingweis Guernica in Sand

Nichts ist permanent, alles ist wandelbar und zeitlich begrenzt. Die Installation Guernica in Sand (2006/2020) von Lee Mingwei gefällt mir besonders, weil sie eine Möglichkeit für die Umwandlung von Traumata thematisiert. Sand kann fortgespült werden von Meereswellen, vom Wind oder durch ein Ritual. So ein Ritual war die Performance, in der Lee Mingwei seine an Picassos berühmtes Kriegsgemälde Guernica (1937) angelehnte Sandmalerei in ihre aktuelle abstrakte Form umwandelte. Obwohl die Spuren des Früheren immer noch zu sehen sind und Erinnerung ermöglichen, begegnen wir einem ganz neuen Bild. Für mich ist das eine Metapher für Zeit und Hoffnung.

Şehnaz Layıkel, Gropius Bau Friend und Promovendin an der Universität der Künste Berlin

Lindi B.

zu Otobong Nkangas Manifest of Strains

Luft, Wasser, Feuer – mir gefällt die Arbeit Manifest of Strains (2017) besonders gut, weil sie diese natürlichen Elemente mit emotionalen, gesellschaftlichen und politischen Zuständen verbindet und das auch gegenständlich anschaulich macht: Wie Wasser durch Hitze in die Luft geht, gehen auch andere Zustände ineinander über und es entsteht Spannung, die sich im Kreislauf der Installation mit einem lauten Luftzischen entlädt – da bekomme ich immer wieder einen kleinen Schreck.

Lindi B., Gropius Bau Friend und Studentin der Kulturwissenschaften

Ehemals:
Rosa-Lena Bösl, Lindi B., Amelie Hornung, Nataša Jagdhuhn, Mila Panic, Şehnaz Layıkel Prange, Ralph-Jürgen Lischke, Duc Vu Manh und Paul Maragnoli, Cennet Alkan, Jens Dierkes, Christopher Hahn, Hans Youssuf Kiesler, Nesrine Ben Mansour, Niusha Ramzani, Danae Yolanda Diettrich

Zu Beginn wurde das Projekt extern beraten von Julia Moritz und begleitet von einem interdisziplinären Fachbeirat, der von Jens Dierkes, Kolja Kohlhoff, Necati Öziri, Carlos Rodriguez und Stephanie Rosenthal gebildet wurde. Im Wintersemester 2019/20 fand an der Leuphana Universität Lüneburg ein von Prof. Dr. Söntgen und Alia Rayyan geleitetes projektbegleitendesSeminar mit Studierenden der Kulturwissenschaft stattfinden.

Gefördert von