Programm
Konzert
Neuwirth / Tschaikowsky / Rachmaninow
Sonntag, 30.8.2026, 19:00 Uhr
Philharmonie Berlin, Großer Saal
Dauer: circa 2 h, inklusive Pause
Einführungsveranstaltung: 18:10 Uhr, Südfoyer
Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Olga Neuwirth (*1968)
Tombeau I ( 2024)
für Orchester und Sampler
Dreydl (2022)
für Orchester
Peter I. Tschaikowsky (1840 –1893)
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 (1878)
Allegro moderato – Moderato assai
Canzonetta. Andante
Finale. Allegro vivacissimo
Pause
Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 44 (1. Fassung von 1935)
Lento – Allegro moderato
Adagio ma non troppo
Allegro
Violine I
Jun Iwasaki* (Miller Nichols Chair)
Stirling Trent**
Sunho Kim, Assistant Concertmaster
Anne-Marie Brown
Michael Brown
Betty Chen
Anthony DeMarco
Susan Goldenberg
Tomoko Iguchi
Dorris Dai Janssen
Chiafei Lin
Yun-Chung Lin
Vladimir Rykov
Alex Shum
Violine II
Tamamo Someya Gibbs*
Carter Coleman**
Kristin Velicer, Assistant Principal
Minhye Helena Choi
Mary Garcia Grant
Kazato Inouye
Rena Ishii
Paul Kim
Stephanie Larsen
Filip Lazovski
Sodam Lim
Ayrton Pisco
Viola
MingYu Hsu*
Duncan Steele**
Jessica Nance, Assistant Principal
Kent Brauninger
Sean Brumble
Marvin Gruenbaum
Jenifer Houck
Duke Lee
Jesse Yukimura
Violoncello
Mark Gibbs* (Robert A. Kipp Chair)
Susie Yang** (Richard Hill Chair)
Alexander East, Assistant Principal
Maria Crosby
John Eadie
Lawrence Figg
Sally Kim
Meredith McCook
Allen Probus
Matthew Beckmann***
Kontrabass
Landon Honolka*
Evan Halloin**
Nils Aardahl
Joseph Nuñez
Richard Ryan
Michael Zogaib
Flöte
Michael Gordon* (Marylou and John Dodds Turner Chair)
Shannon Finney**
Alejandro Lombo
Piccolo
Alejandro Lombo
Oboe
Kristina Fulton* (Shirley Bush Helzberg Chair)
Alison Chung**
Matthew Lengas
Englisch Horn
Matthew Lengas
Klarinette
Raymond Santos* (Bill and Peggy Lyons Chair)
Javier Morales-Martinez**
John Klinghammer
Es-Klarinette
Javier Morales-Martinez
Bassklarinette
John Klinghammer
Fagott
Ann Bilderback* (Barton P. and Mary D. Cohen Chair)
Thomas DeWitt**
Maxwell Pipinich
Kontrafagott
Thomas DeWitt
Horn
Roy Femenella* (Landon and Sarah Rowland Chair)
David Sullivan**
Elizabeth Gray
David Gamble
Stephen Multer
Benjamin Bacni***
Trompete
Julian Kaplan* (James B. and Annabel Nutter Chair)
Shea Kelsay**
Hyojoon Park
Posaune
Evelyn Carlson*
Porter Wyatt Henderson**
Joseph Maiocco
Bassposaune
Joseph Maiocco
Tuba
Joe LeFevre* (Frank Byrne Chair)
Pauke
Timothy Jepson* (Michael and Susan Newburger Chair)
Schlagwerk
David Yoon*
Justin Ochoa** (Adrian and Nancy Kay Hertog Family Chair)
Joe Desotelle***
Madison Shake***
Leo Simon***
Harfe
Chai Lee*
Tasteninstrumente
Daniel Velicer***
Saxofon
Zachary Shemon***
Bibliothek
Elena Lence Talley*
Fabrice Curtis**
Dirigierassistenz
Daniel Wiley
Justin White, Orchestermanagement
Elena Collins, Personalmanagement
* Konzertmeister*in, Stimmführer*in
** Stellvertreter*in
*** Gast
Blake Pouliot – Violine
Kansas City Symphony (Orchestermitglieder hinter dem Icon )
Matthias Pintscher – Leitung
Olga Neuwirths Orchesterwerke
von Martin Wilkening
Wenn man nach einer Konstante im vielfältigen und umfangreichen Schaffen der Komponistin Olga Neuwirth sucht, dann bietet sich die Vorstellung des Unterwegs-Seins an. Dieses aber folgt keiner Beliebigkeit, sondern wird, wie die Komponistin selbst erklärte, angetrieben von einer „Suche nach Verortung und Identität“. Die Fäden, die diese Suche ausspinnt, ziehen sich durch verschiedene Kulturkreise, und die Referenzen, die dabei aufgenommen werden, tragen den Charakter einer sehr persönlichen und hierarchielosen Wahl. In ihrer Jugend war Neuwirth Jazztrompeterin und Punk, gleich nach der Schule begann sie ein bis heute nomadisches Leben, das sie zunächst vom ländlichen Österreich nach Kalifornien führte, wo sie nicht nur Musik, sondern auch Film studierte – eine Zweigleisigkeit ihrer Arbeit, die sich nicht nur in zahlreichen multimedialen Projekten weiterentwickelte, sondern auch die imaginären Räume ihrer rein musikalischen Werke beeinflusst. Die Themen ihrer Stücke beschäftigen sich oft mit Außenseitern.

Olga Neuwirth
© Harald Hoffmann
Piccolo
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
Bassklarinette
Fagott
Kontrafagott
2 Hörner
2 Trompeten
2 Posaunen
Tuba
Pauke (auch mit aufgesetzter japanischer Klangschale)
Schlagwerk (2 Spieler*innen): Große Trommel, Tamtam, Thai-Gongs, Hängebecken, Zimbeln, Triangel, Röhrenglocken, Hängende Autofeder
Elektrische Gitarre
Sample
Streicher
8. Februar 2025 in Paris, Orchestre Philharmonique de Radio France, Dirigent: Matthias Pintscher
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Piccolo
Flöte
2 Oboen
2 Klarinetten
Bassklarinette
Altsaxophon
2 Fagotte
3 Hörner
3 Trompeten
2 Posaunen
Tuba
Schlagwerk: Spieler*in 1: 2 Bongos, gespielt mit kleinen Trommelstöcken; Spieler*in 2 und 3: Kleine Trommel, Große Trommel, Tomtom, Hängebecken, Almglocken, Triangel, Tamtam, Glockenspiel
Korg BX-3 Orgel
Elektrische Gitarre
Streicher
Orchestre national de Lyon und Staatskapelle Dresden
20. Mai 2022 in Lyon, Orchestre national de Lyon, Dirigent: Nikolaj Szeps-Znaider
Joséphine Markovits
Peter I. Tschaikowskys Violinkonzert
von Martin Wilkening
„In dem Augenblick, als Peter Iljitsch, aus dem Eisenbahnwagen steigend, seinen Fuß auf Moskauer Boden setzte, erfasste ihn die Idee, Moskau so bald als möglich wieder zu verlassen.“ Der Raum, den dieser Satz öffnet, erscheint wie der Anfang eines russischen Romans, den man so bald nicht mehr aus der Hand legen wird. Das Zitat stammt aber aus der ersten Darstellung des Lebens von Peter Tschaikowsky, die sein Bruder Modest im Jahr 1900 schrieb. In einem einzigen Satz verdichten sich das innere und das äußere Leben des Komponisten in jener Zeit, als er sein Violinkonzert schrieb: Tschaikowskys Eheschließung, um dem Moskauer Klatsch über seine Homosexualität ein Ende zu setzen, die unmittelbar folgende Flucht aus dieser Ehe, die Aufgabe seiner zwar ehrenvollen, aber belastenden Tätigkeit am Moskauer Konservatorium und die Ablehnung aller Verpflichtungen als öffentliche Person. Möglich wurde diese Befreiung von äußeren Zwängen vor allem dadurch, dass in jener Zuspitzung der Lebenskrisen mit Nadeschda von Meck eine andere Frau in Tschaikowskys Leben trat, die ihn großzügig finanziell unterstützte und mit ihm einen intensiven Briefwechsel unterhielt, ohne dass sich die beiden jemals begegneten.

Blake Pouliot
© Lauren Hurt
Violine solo
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
2 Fagotte
4 Hörner
2 Trompeten
Pauken
Streicher
Tschaikowsky komponierte das Violinkonzert im März und April 1878 im schweizerischen Clarens am Genfersee. Bei der Ausarbeitung des Soloparts unterstützte ihn sein ehemaliger Kompositionsschüler, der Geiger Josef Kotek.
4. Dezember 1881 in Wien, Wiener Philharmoniker, Dirigent: Hans Richter, Solist: Adolph Brodsky [laut einer wissenschaftlichen Studie von Brett Langston (2023): 13. März 1880 in Hannover, Solist: Georg Hänflein]
Adolph Brodsky
Sergej Rachmaninows 3. Sinfonie
von Martin Wilkening
Ähnlich wie Peter Tschaikowsky sein Violinkonzert beginnt auch Sergej Rachmaninow seine 3. Sinfonie mit einer knappen Einleitung. Sie bildet eine Art Erzähleingang, der den Grundton des Folgenden zusammenfasst – dessen Stimmung ebenso wie seine motivische Basis. Vor allem aber schafft sie eine Art Rahmung, die das ganze Werk in einen größeren Zusammenhang stellt. Diese Rahmungen weisen jedoch bei Tschaikowsky und Rachmaninow auf ganz unterschiedliche Ursprünge zurück. Tschaikowsky entwirft zu Beginn ein in Tönen idealisiertes Bild jener Alpenlandschaft, in der diese Musik in zwei glücklichen Wochen entstand. Die Motivik der Einleitung wie auch der Beginn des Hauptthemas intonieren einen Ausschnitt aus der Naturtonreihe, der an die Melodie eines Alphorns erinnert – und interessanterweise genau mit jener melodischen Sequenz korrespondiert, durch die Brahms im Finale seiner 1. Sinfonie den Auftritt des Alphorns inszeniert. Für Tschaikowsky ist es die Landschaft, die das Aufbegehren und die Freiheitsideen Rousseaus und des Manfred von Lord Byron beschwört, dem er später ja noch eine eigene Sinfonie widmen sollte.

Sergej Rachmaninow, Gemälde von Boris Dimitrijewitsch Grigorjew, um 1920
© akg-images
Piccolo
2 Flöten
2 Oboen
Englischhorn
2 Klarinetten
Bassklarinette
2 Fagotte
Kontrafagott
4 Hörner
2 Trompeten
Alttrompete
3 Posaunen
Tuba
Pauke
Schlagwerk: Kleine Trommel, Große Trommel, Tamburin, Becken, Hängebecken, Triangel, Tamtam
Harfe
Celesta
Streicher
Rachmaninow komponierte seine 3. Sinfonie während seiner Sommeraufenthalte in der Schweiz in den Jahren 1935 und 1936.
6. November 1936 in Philadelphia, Philadelphia Orchestra, Dirigent: Leopold Stokowski
Zum Autor
Martin Wilkening studierte Musik- und Literaturwissenschaften in Berlin. Er schreibt Musikkritiken und Konzerteinführungen und arbeitet für das Goethe-Institut.