
Das diesjährige Theatertreffen konzentriert sich mit seinem Rahmenprogramm auf aktuelle Dramatik und Diskurs: Es besteht aus einem Diskursprogramm, das sich im Haus der Berliner Festspiele mit Gesprächen, Filmvorführungen und einer Ausstellung mit den Themen der 10er-Auswahl auseinandersetzt, sowie dem neuen Format Mehr Drama!, das gemeinsam mit dem VerbandDeutscher Bühnen- und Medienverlage (VDB) konzipiert wurde und neue Stimmen der Gegenwartsdramatik in den Fokus rückt.
Das detaillierte Rahmenprogramm wird am 2. April mit dem Spielplan auf der Website der Berliner Festspiele veröffentlicht, und die Akkreditierung für die kostenpflichtigen Veranstaltungen startet.
Zum Auftakt von Mehr Drama! diskutieren am 14. Mai Sivan Ben Yishai, Ferdinand Schmalz, Gerhild Steinbuch und Paula Thielecke unter dem Titel Vom Schreiben und Spielen über den Status quo des zeitgenössischen dramatischen Schreibens.
Vom 14. bis 16. Mai stellen dann Sivan Ben Yishai (Suhrkamp Verlag), NecatiÖziriÖziri, Necati (Felix Bloch Erben), Sasha Marianna Salzmann (Verlag der Autoren), Ferdinand Schmalz (S. Fischer Verlage), Gerhild Steinbuch (Rowohlt Verlag) und Paula Thielecke (henschel SCHAUSPIEL) in Tandems jeweils eine neue Stimme der Gegenwartsdramatik vor, die sie persönlich nominiert haben.
Die ausgewählten Dramatiker*innen sind Dora Yuemin Cheng, Lennart Kos, Jara Nassar, Sharon Dodua Otoo, Laura Uribe und Leonie Ziem. Ihre Texte werden im Rahmen von Mehr Drama! in klassischen Lesungen mit namhaften Schauspier*innen und in Gesprächen präsentiert. Die Lesungen finden jeweils in deutscher Sprache statt, für die anschließenden Autor*innen-Gespräche wird eine Simultanübersetzung ins Englische angeboten.
14. Mai: Wie lange leben, wie lange lieben?
Gerhild Steinbuch & Leonie Ziem | Sivan Ben Yishai & Jara Nassar
Sprachlich virtuos entwirft Leonie Ziem in Das große Gleichgültige das Szenario einer Verlosung von 300 Jahren Lebenszeit und wirft die Frage auf, ob eine solche Verlängerung des Lebens überhaupt erstrebenswert ist. Jara Nassar lässt in Hoch und immer höher zwei Figuren in Beirut aufeinandertreffen und erkundet, ob die Liebe unter der schwelenden Bedrohung des Krieges möglich ist.
15. Mai: Sprache suchen
Sasha Marianna Salzmann & Sharon Dodua Otoo | Paula Thielecke & Laura Uribe
In On the right side / Auf der rechten Seite erzählt die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo von einem plötzlichen Sprachverlust und sucht in ihrem bilingualen Text (Deutsch / Englisch) nach Identität in der deutschen Gesellschaft. Das Hör- und Sichtbarmachen von sonst abwesenden Stimmen liegt auch dem Text Backyard [Ein Suchgelände] von Laura Uribe (in Co-Autorinnenschaft mit Sabina Aldana) zugrunde, der sich künstlerisch mit dem Phänomen des gewaltsamen Verschwindenlassens von Menschen in Mexiko beschäftigt.
16. Mai: Vergangenheit als Gegenwart
Necati Öziri & Lennart Kos | Ferdinand Schmalz & Dora Yuemin Cheng
In IRIDIUM on earth erzählt Lennart Kos vom turbulenten Leben des Magiers Buddy und schafft damit ein fantasievolles, dialogstarkes Stück über das Glück der menschlichen Verbindung – und über ihre Tragik. Dora Yuemin Cheng sucht in Sprache/Spiel 语言·游戏 einen Ausdruck gegen das Verblassen von Sprache, Erinnerung und der eigenen Geschichte und erschafft dabei neue poetische Möglichkeitsräume.
Das Format Mehr Drama! wird unterstützt von der Heinzund Heide Dürr Stiftung.
Das diskursive Programm wird erstmalig vom Theater-, Film- und Medienkritiker Matthias Dell kuratiert und lädt zur weiteren Beschäftigung mit den Themen der 10er-Auswahl ins Haus der Berliner Festspiele ein. Zwei Filme, drei Podiumsgespräche mit namhaften Gästen zu ästhetischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen sowie eine Ausstellung in den Foyers des Festspielhauses bieten überraschende Verknüpfungen zwischen den Inszenierungen und unserer herausfordernden Gegenwart. Die Podiumsgespräche finden in deutscher Sprache statt, eine Simultanübersetzung ins Englische wird angeboten.
Podiumsgespräche
3. Mai: Warum sind die Linken auch noch an den Rechten schuld?
Ausgehend von Julian Hetzels Inszenierung Three Times Left is Right sprechen der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen und der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz über Gründe für den Erfolg rechter Rhetoriken und was sich dagegen tun lässt.
11. Mai: Warum ist der Arbeiter nur auf der Bühne klasse?
In Sebastian Hartmanns Inszenierung Der Hauptmann von Köpenick steht ein namenloser Arbeiter im Mittelpunkt, der mithilfe einer Uniform in die Rolle eines Militärs schlüpft und so Klassengrenzen überwindet. Die Rapperin Ebow und Francis Seeck, Professor*in für Soziale Arbeit, widmen sich im Gespräch dem Thema Klassismus von Kultur und Gesellschaft.
12. Mai: Warum nicht eine gerechtere Zukunft entwerfen statt in Erinnerungen schwelgen?
Hätte es vor 100 Jahren eine gerechtere Familienpolitik gegeben, wäre die Flucht aus der unerträglichen Gegenwart in der Glasmenagerie nicht be- und geschrieben worden. Im Gespräch eruieren die Journalistin und Autorin Teresa Bücker und die ehemalige Top-Managerin Vera Schneevoigt, warum die Verhältnisse sich bis heute nicht grundlegend geändert haben.
Filmvorführungen
3. Mai: Wie von #MeToo erzählen, bevor es #MeToo gab?
Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else ist eine packende und vielschichtige Analyse über Machtmissbrauch, Doppelmoral und die Kommerzialisierung weiblicher Körper. Wie kann über etwas geredet werden, das in einer patriarchalen Kultur von öffentlichen Anzweifelungen, Täter-Opfer-Umkehr und Schweigen geprägt wird? Helke Sanders Film Die Deutschen und ihre Männer – Bericht aus Bonn aus dem Jahr 1989 findet dafür eine ungemein originelle Form und bringt die Bonner Republik von Gerhart Baum (FDP) bis Werner Sonne (ARD) in Erklärungsnot. Der Film wird mit englischen Untertiteln gezeigt.
10. Mai: Wie sieht das weibliche Gesicht des Krieges aus?
„Alles, was wir über den Krieg wissen, wissen wir von Männerstimmen“, heißt es im Text von Swetlana Alexijewitsch, zitiert in Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen. Der Film Meine Mutter, ein Krieg und ich des Regieduos Tamara Trampe und Johann Feindt aus dem Jahr 2014 arbeitet feinsinnig die Familiengeschichte der Regisseurin auf und zeichnet damit ein zentrales Stück Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts nach.
Die Filme werden jeweils nach einer Einführung von Matthias Dell gezeigt.
Sammelausstellung It Is Reel – Theatertreffen Meets TikTok
Wie sähe das Theatertreffen 2026 auf TikTok aus? Expert*innen digitaler Gegenwart vermitteln zwischen dem analogen und digitalen Raum: Sie kuratieren und kommentieren ausgehend von den Arbeiten der 10er-Auswahl entsprechende Selbstinszenierungen in der größten Aufmerksamkeitsmaschine unserer Zeit. Die Ausstellung in den Foyers des Festspielhauses ist über den gesamten Festivalzeitraum eine Stunde vor Beginn der ersten Veranstaltung des Tages geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Das Diskursprogramm wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.
Das Theatertreffen lädt 34 Theaterschaffende aus allen Teilen der Welt ein, das Festival zu besuchen, zu reflektieren und über künstlerische und nationale Grenzen hinweg Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Auf den Open Call bewarben sich über 800 Künstler*innen aus rund 90 Ländern.
Fünf Blogger*innen sind eingeladen, kritisch vor Ort vom Theatertreffen zu berichten. Dabei sollen Perspektiven erweitert, das Konzipieren und Durchführen journalistischer Formate entwickelt und neue Zugänge zur Auseinandersetzung mit theatralen Formen erprobt werden.
Sara Franke, Anna Hinz, Wiebke Müller
presse@berlinerfestspiele.de
+49 30 254 89 269
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