Inszenierung

Mission (im)possible - in the end lies the beginning

DS-Kurs 12. Jahrgang, Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium
Berlin

Auf dem Bühnenfoto sind sieben Jugendliche abgebildet. Sechs von ihnen stehen vor einer Bühnenartigen erhöhung und eine Person steht drauf. Fünf von ihne halten Schilder auf denen steht: "I married my husband because he looks like you", "I love you", "I would sell my family for you" und "fuck me". Die person auf der Bühne trägt ein Hut und macht einen Michael Jackson ähnlichen Tanz Move. Der Hintergrund ist blau beleuchtet.

Mission (im)possible – in the end lies the beginning, DS-Kurs 12. Jahrgang, Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium
Berlin © keine

„Eine Scheiße jagt die nächste, und dabei geht es uns noch gut!“ – Krisen sind für viele junge Menschen kein Ausnahmezustand mehr, sondern Normalzustand. Wie damit umgehen? Wer regelt das? In ihrer performativen Versuchsanordnung setzen sich die Spieler*innen kritisch mit Konzepten von Held*innentum auseinander. Sie zeigen ihre Schwächen, ihre Alltagskämpfe, ihre Widersprüche – und dass sie vor allem eins brauchen: einander.

Zum Nachschauen
Verfügbar ab 2.6.2026 als Videoon Demand in der Berliner Festspiele Mediathek.

Der Grundkurs Darstellendes Spiel arbeitet seit über einem Jahr gemeinsam an der Stückentwicklung, die ihren Ausgangspunkt im Besuch der Ausstellung Prinzip Held* (Rimini Protokoll) fand. Zuerst wurden die bekannten traditionellen Held*innengeschichten unter die Lupe genommen. Dabei kamen schnell Fragen auf: Wer wird überhaupt als Held*in gesehen? Warum verbinden wir Held*innentum automatisch mit Männlichkeit, Kampf und Stärke? Und was ist mit den zahlreichen Kämpfen, die Menschen austragen, die niemand sieht?
Gerade diese biografischen Geschichten weckten bei den Schüler*innen Interesse. Sie erspielten sich einen Raum, in dem sie ihre persönlichen Kämpfe, Verletzlichkeiten und Unsicherheiten zeigen und auf die Bühne bringen konnten. Sie schrieben eigene Texte, gestalteten Stop-Motion-Filme, bastelten Requisiten aus Pizzakartons und bauten Musik-Tracks.
Zusätzlich entwickelten alle elf Spieler*innen ihre ganz persönlichen Held*innenszenen, denn alle wollten auch einmal die Hauptrolle spielen, glänzen und gesehen werden. So entspinnt sich eine Collage aus Biografie und Popkultur, ein rasanter Wechsel zwischen eigenen Geschichten und individuellen Held*innenmomenten.
Der Wunsch nach Held*innen, die alles regeln, was gerade schiefläuft, ist groß – besonders in einer Zeit, in der Krise zum Normalzustand geworden ist. Mission (im)possible stellt die Frage, wie wir selbst ins Handeln kommen, wenn wir nicht länger auf vermeintliche Held*innen warten.

Jurykommentar

Was als harmloser Filmabend beginnt, entfaltet sich in Mission (im)possible – in the end lies the beginning zu einer Reise, die uns mitten ins Herz dessen führt, was Held*innentum wirklich bedeuten kann. Eben noch streiten Freund*innen über ihre liebsten Leinwandheld*innen, doch plötzlich: Dunkelheit. Stromausfall. Ausnahmezustand. Jetzt sind die Spielenden selbst gefragt. Jetzt liegt es an ihnen, zu Held*innen zu werden. Doch wer ist der*die Held*in dieses Abends? Ist es die Figur, die kämpft, rettet und siegt? Oder liegt wahre Größe vielleicht im Zweifeln, im Scheitern, im Wiederaufstehen?

In einer klugen, spielerischen Collage begegnen wir bekannten und unerwarteten Held*innen: von Katniss Everdeen bis Thor, von Muhammad Ali über Greta Thunberg bis hin zu Melli Beese, von Emily in Paris bis Garfield. Und es wird klar: Held*innentum kennt keine Schablone. Es ist so vielfältig wie die Menschen selbst.

Doch jede große Geschichte hat ihre Risse. Und so öffnen die jungen Darsteller*innen mutig die Türen zu ihren eigenen Innenwelten. In eindrucksvollen Stop-Motion-Videos erzählen sie von Unsicherheiten, Zweifeln, Ängsten – von jenen leisen Momenten, in denen das Gefühl entsteht, nicht genug zu sein. Gleichzeitig entsteht auf der Bühne ein Gegenbild: Körper, die sich stützen, Hände, die Halt geben, Gemeinschaft, die trägt.

„Wir sind wie eine Familie“, sagen die Spielenden im Nachgespräch – und genau das sehen wir auf der Bühne. Eine Gemeinschaft, die zuhört, die auffängt, die einander Raum gibt. Hier zählt jede Stimme.

Dabei scheut das Stück nicht vor großen Fragen zurück: An wen denken wir überhaupt, wenn wir an Held*innen denken? Warum werden Stärke und Mut so oft männlich gelesen? Und wie viele Held*innen bleiben unsichtbar, weil sie gegen Rassismus, Diskriminierung und Ungleichheit kämpfen? Es ist ein kluger, wacher Blick auf unsere Gesellschaft – und ein Plädoyer dafür, Held*innentum neu zu denken.

Ein Abend voller Spielfreude, Mut und Menschlichkeit. Aus einfachen Pizzakartons entstehen ganze Welten – Hochhäuser wachsen, Blumen blühen, Fanplakate leuchten. Es wird getanzt, gesungen, gekämpft und innegehalten. Es ist laut und leise, kraftvoll und zart zugleich. Und vor allem: Es ist ehrlich.
Die Energie dieser jungen Menschen ist ansteckend. Sie tragen uns, reißen uns mit, berühren uns. Ich lache, ich staune, ich bin bewegt – und dankbar, auch ihre verletzlichen Seiten sehen zu dürfen.

Am Ende bleibt ein Gedanke, der nachhallt: Das eingeklammerte „im“ in „(im)possible“ ist kein Zufall. Es ist eine Einladung. Eine Erinnerung daran, dass in jedem von uns die Kraft zur Veränderung liegt. Vielleicht sind die Held*innen dieses Abends längst nicht nur auf der Bühne zu finden. Vielleicht sitzen sie auch im Publikum.

Lene Wollwerth

Mit

Abdullah Ayash, Mahdi Brahmi, Ilayda Tuana Burghardt, Basel El Ammar, Anıl Karaalp, Aleksander Kolodziejczyk, Zeinab Noureddine, Milo Ost, Lisa Sophie Reddig, Iman Shafique, Maria Trotimov

Merle MüllerKursleitung
Thorsten SpillerTechnik-AG-Leitung
Larissa KleebAbspannvideo-Design
Wahlpflichtkurs Kultur Jg. 8, Jörg LandgrafStop-Motion-Filme