Musikfest Berlin
Programmveröffentlichung & Vorverkaufsstart: 18. Juni, 14:00
Mythen über die Entstehung der Welt sind eine wichtige Quelle für Identität, ebenso wie Rituale, die die Menschen mit der Natur und der Erde verbinden. Sie helfen ihnen, sich selbst in der Geschichte und ihre Wurzeln in bestimmten Ländern zu verorten und ihre Koexistenz mit anderen zu bekräftigen. Mythen handeln oft von Kämpfen. Dabei geht es aber nicht darum, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, sondern die tragischen und verheerenden Folgen von Kriegen zu veranschaulichen. Einige alte Rituale mögen nach modernen Maßstäben brutal erscheinen, insbesondere, wenn es sich um Opferrituale handelt. Sie waren jedoch kein sadistischer Selbstzweck: Vielmehr sollten sie die Verletzlichkeit und Kostbarkeit des Lebens verdeutlichen. Die Ehrfurcht vor der Würde des Lebens hat diese Traditionen über Jahrhunderte hinweg bewahrt.
Die Unmittelbarkeit der darstellenden Künste aktiviert die kollektive Vorstellungskraft und die Emotionalität einer Gemeinschaft. Ihre Ursprünge liegen vermutlich in Liedern und Tänzen, mit denen früher um gute Ernten gebetet wurde. In diesen entfalteten sich mythische Erzählungen und rituelle Formen etablierten sich als lokale Feierlichkeiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Mit anderen Worten: Mythen und Rituale können als die Ursprünge der darstellenden Künste betrachtet werden. Stellen wir uns also erneut die Frage: Können die zeitgenössischen darstellenden Künste als etwas dienen, das uns, die wir in der modernen Welt leben, verbindet anstatt trennt? Können sie ein Gefühl der Bewunderung für das Leben und der Ehrfurcht vor dessen Würde wecken? Aus diesen Gedanken heraus entstand die Performing Arts Season 2026/27.
Die vierte Performing Arts Season eröffnet am 14. Oktober mit einer bahnbrechenden neuen Performance: Die Bühnenversion von Balkan Erotic Epic, das neue Werk der ikonischen Performancekünstlerin Marina Abramović, feiert Deutschlandpremiere und ist bis 17. Oktober zu erleben. In diesem mehrstündigen Ritual treffen uralte Balkanmythen auf zeitgenössische Performancekunst. Abramović erkundet darin mit über 30 Darsteller*innen, Tänzer*innen, Musiker*innen und Sänger*innen die Erotik, die Spiritualität und die Traditionen ihrer Heimat. Darüber hinaus präsentiert sie eine gleichnamige Ausstellung, die bereits im April im Gropius Bau eröffnet wird.
Vorschau 2026/2027
Marina Abramović präsentiert in diesem Jahr Balkan Erotic Epic in zwei Teilen: Bereits im April eröffnet im Gropius Bau die Ausstellung der ikonischen Künstlerin und im Oktober wird ihre neue mehrstündige Bühnenproduktion als Teil der Performing Arts Season im Haus der Berliner Festspiele gezeigt. Im Zentrum steht Abramovićs fortwährendes Interesse an Ritualen, Erotik, Tod und dem Körper als Ort politischen Widerstands.

Marina Abramović, Women Massaging Breasts aus der Serie Balkan Erotic Epic, C-Print, 2005, Serbia
© Marina Abramović. Courtesy der Marina Abramović Archives
Eun-Me Ahn, Akram Khan und Ligia Lewis sprechen in Interviews über ihre künstlerische Praxis und die Entstehung ihrer aktuellen Arbeiten, die bei der Performing Arts Season 2025/26 präsentiert wurden. Essays und ein Vortrag geben zudem Einblicke in die Bedeutung der Puppen in Gisèle Viennes Werk sowie in den Probenprozess von Thorsten Lensings Tanzende Idioten.

Showroomdummies#4, Centre Pompidou 2021
© Yuki Moriya
Impressionen
Während der Herbst- und Wintermonate präsentiert die Performing Arts Season der Berliner Festspiele seit 2023 ein Panorama herausragender internationaler Produktionen aus Tanz, Theater und Performance im Haus der Berliner Festspiele und im Gropius Bau. Einige der gezeigten Aufführungen werden von den Berliner Festspielen koproduziert oder eigens in Berlin produziert.