Performing Arts Season

Key Visual Performing Arts Season 2025

Ein Panorama internationaler Tanz-, Theater- und Performanceaufführungen

Programmveröffentlichung & Vorverkaufsstart: 18. Juni, 14:00

Performing Arts Season 2026/27

Mythen über die Entstehung der Welt sind eine wichtige Quelle für Identität, ebenso wie Rituale, die die Menschen mit der Natur und der Erde verbinden. Sie helfen ihnen, sich selbst in der Geschichte und ihre Wurzeln in bestimmten Ländern zu verorten und ihre Koexistenz mit anderen zu bekräftigen. Mythen handeln oft von Kämpfen. Dabei geht es aber nicht darum, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, sondern die tragischen und verheerenden Folgen von Kriegen zu veranschaulichen. Einige alte Rituale mögen nach modernen Maßstäben brutal erscheinen, insbesondere, wenn es sich um Opferrituale handelt. Sie waren jedoch kein sadistischer Selbstzweck: Vielmehr sollten sie die Verletzlichkeit und Kostbarkeit des Lebens verdeutlichen. Die Ehrfurcht vor der Würde des Lebens hat diese Traditionen über Jahrhunderte hinweg bewahrt.

Die Unmittelbarkeit der darstellenden Künste aktiviert die kollektive Vorstellungskraft und die Emotionalität einer Gemeinschaft. Ihre Ursprünge liegen vermutlich in Liedern und Tänzen, mit denen früher um gute Ernten gebetet wurde. In diesen entfalteten sich mythische Erzählungen und rituelle Formen etablierten sich als lokale Feierlichkeiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Mit anderen Worten: Mythen und Rituale können als die Ursprünge der darstellenden Künste betrachtet werden. Stellen wir uns also erneut die Frage: Können die zeitgenössischen darstellenden Künste als etwas dienen, das uns, die wir in der modernen Welt leben, verbindet anstatt trennt? Können sie ein Gefühl der Bewunderung für das Leben und der Ehrfurcht vor dessen Würde wecken? Aus diesen Gedanken heraus entstand die Performing Arts Season 2026/27.

Programm

Die vierte Performing Arts Season eröffnet am 14. Oktober mit einer bahnbrechenden neuen Performance: Die Bühnenversion von Balkan Erotic Epic, das neue Werk der ikonischen Performancekünstlerin Marina Abramović, feiert Deutschlandpremiere und ist bis 17. Oktober zu erleben. In diesem mehrstündigen Ritual treffen uralte Balkanmythen auf zeitgenössische Performancekunst. Abramović erkundet darin mit über 30 Darsteller*innen, Tänzer*innen, Musiker*innen und Sänger*innen die Erotik, die Spiritualität und die Traditionen ihrer Heimat. Darüber hinaus präsentiert sie eine gleichnamige Ausstellung, die bereits im April im Gropius Bau eröffnet wird.

Nach seiner Teilnahme am Festival Performing Exiles im Jahr 2025 kehrt der in Albanien geborene und in Griechenland lebende Theatermacher Mario Banushi  am 12. und 13. November ins Haus der Berliner Festspiele zurück. Zum ersten Mal in Deutschland zeigt er sein neuestes Stück MAMI. Dieses Werk, ein visuelles Gedicht und eine Landschaft der Erinnerungen, veranschaulicht seine persönliche Mythologie. Es untersucht die Quelle des Lebens und ist eine Hommage an die Frauen, die uns geprägt haben.

Außerdem kehrt Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrer neuen Produktion GLA55 , die im Haus der Berliner Festspiele am 19. November Weltpremiere feiert und bis 21. November zu sehen ist, zu ihren Wurzeln zurück. Das Ictus Ensemble und Bl!ndman greifen frühe Werke des Meisters des Minimalismus, Philip Glass, wieder auf. Die Tänzer*innen von Rosas entfalten dazu eine geometrische Choreografie, die unser Bewusstsein in eine tranceartige Dimension überführt.

Im Dezember stehen zwei kraftvolle Tanzstücke auf dem Programm. Der belgisch-französische Choreograf Damien Jalet präsentiert am 4. und 5. Dezember Planet [wanderer], das von der Schöpfungsgeschichte Japans, dem Kojiki, inspiriert ist. In einem überwältigenden organischen Bühnenbild des japanischen Bildhauers Kohei Nawa thematisiert das Stück die Grenze zwischen Leben und Tod sowie die untrennbare Verbindung zwischen dem menschlichen Körper, den Elementen der kosmischen Welt und der Schwerkraft.

Die kanadische Choreografin Marie Chouinard gestaltet einen Abend, der ihr frühes Meisterwerk und ihre neueste Arbeit miteinander verbindet: The Rite of Spring, ein Musikstück, das legendäre Künstler*innen jeder Epoche zu bahnbrechenden Choreografien inspiriert hat, und MAGNIFICAT, eine der acht ältesten christlichen Hymnen und der am häufigsten rezitierte Lobgesang. Beide Werke sind Gegenstand ihrer erhabenen und raffinierten Choreografie und am 9. und 10. Dezember zu sehen.

Das japanische Multimedia-Performance-Kollektiv Dumb Type präsentiert vom 15. bis 17. Januar seine neueste Performance 2020. Es handelt sich dabei um ein geradezu phantomhaftes Werk: Es war beinahe fertiggestellt und sollte im März 2020 als erste Arbeit nach 18-jähriger Pause uraufgeführt werden. Doch die Premiere musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden; stattdessen wurde nur eine aufgezeichnete Version veröffentlicht. Die Berliner Festspiele präsentieren die Europapremiere im Januar 2027, unmittelbar nach der nun live stattfindenden Weltpremiere im ROHM Theatre Kyoto. KI, Überwachungsgesellschaft, Kommunikationsversagen, Klimakrise, Geopolitik – die Performance untersucht diese Bedrohungen für die Menschheit im Grenzbereich zwischen Technologie und lebendem Körper.

Wir freuen uns, die französisch-österreichische Künstlerin, Choreografin und Regisseurin Gisèle Vienne mit ihrer neuen Kreation CREATION 2026 (AT), einer Koproduktion mit den Berliner Festspielen, am 21. und 22. Januar erneut begrüßen zu dürfen (Uraufführung am Schauspielhaus Zürich). Sie war bereits Teil der Performing Arts Season 2025/26 und wurde 2024 zum Theatertreffen eingeladen. In dieser ersten Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin Marie NDiaye setzt sich Vienne mit aktuellen Problemstellungen und dem Kampf um ein würdiges und lebenswertes Leben für alle auseinander. Sie konkretisiert damit ihre langjährige Forschung über Machtverhältnisse und deren Konstruktion.

Durch diese herausragenden zeitgenössischen Werke – und indem wir uns die grundlegende Bedeutung von Performativität wieder ins Bewusstsein rufen – erkennen wir vielleicht, dass die darstellenden Künste weder bloße Unterhaltung noch Allheilmittel sind, sondern ein Instrument, das unsere Wahrnehmung und unser Denken über die Welt prägt und diese Welt darüber hinaus gestaltet und verändert. Das Theater war schon immer ein realer Ort, an dem Menschen zusammenkommen, und wird es auch künftig bleiben. Gleichzeitig ist das Theatererlebnis ein einzigartiges Phänomen, das sich nicht wiederholen lässt und nur im Hier und Jetzt existiert. Lassen Sie uns diese einzigartige Zeit gemeinsam erleben und in der kommenden Spielzeit der Performing Arts Season, die mit dem 75-jährigen Jubiläum der Berliner Festspiele zusammenfällt, vielen unterschiedlichen Menschen und Sichtweisen begegnen.

Vorschau 2026/2027

Marina Abramović: Balkan Erotic Epic

Marina Abramović präsentiert in diesem Jahr Balkan Erotic Epic in zwei Teilen: Bereits im April eröffnet im Gropius Bau die Ausstellung der ikonischen Künstlerin und im Oktober wird ihre neue mehrstündige Bühnenproduktion als Teil der Performing Arts Season im Haus der Berliner Festspiele gezeigt. Im Zentrum steht Abramovićs fortwährendes Interesse an Ritualen, Erotik, Tod und dem Körper als Ort politischen Widerstands.

Frauen mit schwarzen Kopftüchern und knielangen Röcken massieren ihre nackten Brüste. Dabei schauen sie in den Himmel.

Marina Abramović, Women Massaging Breasts aus der Serie Balkan Erotic Epic, C-Print, 2005, Serbia

© Marina Abramović. Courtesy der Marina Abramović Archives

In der Mediathek

Eun-Me Ahn, Akram Khan und Ligia Lewis sprechen in Interviews über ihre künstlerische Praxis und die Entstehung ihrer aktuellen Arbeiten, die bei der Performing Arts Season 2025/26 präsentiert wurden. Essays und ein Vortrag geben zudem Einblicke in die Bedeutung der Puppen in Gisèle Viennes Werk sowie in den Probenprozess von Thorsten Lensings Tanzende Idioten.

Eine Person in gelbem Pullover sitzt auf einer Stuhlreihe und schaut auf eine andere Person, die auf dem Boden liegt.

Showroomdummies#4, Centre Pompidou 2021

© Yuki Moriya

Impressionen

Die Performing Arts Season

Während der Herbst- und Wintermonate präsentiert die Performing Arts Season der Berliner Festspiele seit 2023 ein Panorama herausragender internationaler Produktionen aus Tanz, Theater und Performance im Haus der Berliner Festspiele und im Gropius Bau. Einige der gezeigten Aufführungen werden von den Berliner Festspielen koproduziert oder eigens in Berlin produziert.

Mehr Berliner Festspiele

Collage von drei weiblich gelesenen Personen, deren Gesichter zum Teil mit bunten Punkten bemalt und Blumenmotiven collagiert sind.

Gropius Bau |

Performance

Leila Hekmat: Roses Rising – The Movement

6. & 7. März 2026

Wie äußert sich das bürgerliche Begehren nach Widerstand, wenn sich der Glaube an Fortschritt und Vernunft als Illusion erweist? Dieser Frage geht die bildende Künstlerin und Regisseurin Leila Hekmat in ihrer neuen Auftragsarbeit Roses Rising – The Movement nach. Die Performance, zugleich Konzert und Ballett, erschafft einen Raum zwischen Bunker, Traumsphäre und Proberaum und lässt das Publikum daran teilhaben, wie eine Dinnerparty in ein Happening kippt.