Konzert

Contemplations into the Radical Others: Music for the Left Ear

Ensemble Musikfabrik / Lucia Dlugoszewski / Mazyar Kashian / Bethan Morgan-Williams

Zwei Hände halten ein Heft mit einer Partitur geöffnet. Auf der rechten Seite steht zu Beginn der Seite in Großbuchstaben geschrieben „Music for Left Ear in A Small Room, Number 3“.

Lucia Dlugoszewski, Partitur von Music for Left Ear in A Small Room, No 3 © Library of Congress

Das Rechercheprojekt „Contemplations into the Radical Others“ wurde vom Ensemble Musikfabrik mitinitiiert, das der Komponistin im zweiten Teil ein umfassendes Programm widmet. Zu vier Interpretationen ihrer Werke für Tanz gesellen sich zwei Auftragswerke, die auf Dlugoszewskis interdisziplinären Ansatz reagieren.

Wie bereits im Vorjahr setzt „Contemplations into the Radical Others“ in seiner Auseinandersetzung mit dem Schaffen Lucia Dlugoszewskis produktive Akzente. Der zweite Teil des in Kollaboration mit dem Ensemble Musikfabrik erarbeiteten Programms wird deshalb mit einem Vortrag sowie der Aufführung von vier ihrer Werke eröffnet. Zu Aufführungen der im Kontext ihrer Zusammenarbeit mit der Erick Hawkins Dance Company entstandenen Stücke „Cantilever“ (1975), „Amor Elusive Empty August“ (1980), „Black Lake“ (1988) und „Depth Duende Scarecrow Other: Symphony for Seven Instruments“ (1996) gesellen sich zwei neue Auftragswerke. Bethan Morgan-Williams und Mazyar Kashian haben bereits separat mit dem Ensemble Musikfabrik zusammengearbeitet und auch zu „Contemplations into the Radical Others“ neue, von Dlugoszewski inspirierte Stücke geschrieben. Ihre Hinzunahme schafft einen interdisziplinären Dialog, der jenseits von Konventionen zwischen Generationen vermittelt. Das Programm wurde von MaerzMusik gemeinsam mit den Musikfabrik-Mitgliedern Christine Chapman und Marco Blaauw kuratiert.

„Contemplations into the Radical Others“ ist ein von MaerzMusik gemeinsam mit dem Ensemble Musikfabrik, der Erick Hawkins Dance Company, Katherine Duke und Agnese Toniutti lanciertes Rechercheprojekt zu Lucia Dlugoszewski. Nach einer ersten Ausgabe im Vorjahr wird die Auseinandersetzung mit der im Jahr 2000 verstorbenen Komponistin weiter vertieft. Die auch als Dichterin aktive Dlugoszewski studierte Ende der 1940er-Jahre bei Edgard Varèse, Grete Sultan und John Cage, beeindruckte Arnold Schönberg mit ihrem Klavierspiel und suchte in der Arbeit am präparierten Klavier nach Wegen, neue Klänge zu erschaffen. Daneben entwarf sie über hundert Instrumente, von denen einige für „Contemplations into the Radical Others“ von Musikfabrik-Mitglied Thomas Meixner rekonstruiert wurden. Dlugoszewskis Auseinandersetzung mit dem scheinbar Mondänen wie auch dem radikal Anderen setzte auf die Unmittelbarkeit von Musik. Dabei arbeitete sie nicht nur hinter den Kulissen als Komponistin für die Erick Hawkins Dance Company, sondern trat in poetischer Manier oftmals auch auf der Bühne neben den Tänzer*innen auf. Ihr Werk wird in Kollaboration mit dem Kölner Ensemble Musikfabrik mit demselben Duktus in den Vordergrund gerückt, in dem sie es einst konzipierte: als Ausdruck der Freiheit von Klang, der wiederum dem Publikum Momente der Freiheit bieten sollte. Im zweiten Teil von „Contemplations into the Radical Others“ präsentiert das Ensemble einige ihrer Stücke erstmals in Europa, nachdem die Partituren aus vorhandenen Aufnahmen aufwendig rekonstruiert wurden. Neben einem Konzertabend mit der Musikfabrik, drei auf Dlugoszewski reagierende Auftragswerke sowie eines umfassenden Laboratoriums, in dem ihre Musik, ihr Klang und ihre Philosophie ausgiebig untersucht und diskutiert werden sollen, schließt das diesjährige Programm Auftritte der Pianistin Toniutti sowie der Choreograf*innen Duke und Edivaldo Ernesto mit Mitgliedern der Erick Hawkins Dance Company und in Berlin ansässigen Tänzer*innen ein. Ebenso werden im Rahmen des Projekts drei Auftragswerke von Bethan Morgan-Williams, Mazyar Kashian und Elena Rykova aufgeführt, die künstlerisch auf Dlugoszewski antworten.

Programm

Bethan Morgan-Williams
Neues Werk (UA 2024)
Kompositionsauftrag von MaerzMusik, finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.

Lucia Dlugoszewski
Amor Elusive Empty August (1971/1979)
für Bläserquintett

Dazzle on a Knife’s Edge (1968)
für Ensemble

Black Lake (1969-1970)
für Ensemble

Mazyar Kashian
Roshanai (2024)
für Blechbläserquintett
Kompositionsauftrag von MaerzMusik, finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.

Lucia Dlugoszewski
Cantilever (1988)
für Ensemble

Ensemble Musikfabrik
Gregor A. Mayrhofer
 Dirigent

Weitere Veranstaltungen des Rechercheprojekts

Präsentation: Contemplations into the Radical Others
Mittwoch 20.3., 18:30–19:15, Radialsystem

Gespräch, Lesung & Listening Sessions: Contemplations into the Radical Others: Laboratory Part 1
Donnerstag 21.3., 12:00 – 15:30, Haus der Berliner Festspiele

Gespräch, Lesung & Listening Sessions: Contemplations into the Radical Others: Laboratory Part 2
Samstag 23.3., 12:00 – 15:30, Haus der Berliner Festspiele

Gespräch, Lesung & Listening Sessions: Contemplations into the Radical Others: Laboratory Part 3
Sonntag 24.3., 12:00 – 15:30, Haus der Berliner Festspiele

Konzert & Tanz: Contemplations into the Radical Others: Exacerbated Movement
Sonntag 24.3., 17:00 – 18:00, Haus der Berliner Festspiele

Konzert & Tanz: Contemplations into the Radical Others: To Everybody Out There
Sonntag 24.3., 19:00 – 21:00, Haus der Berliner Festspiele

Gefördert durch 

„Contemplations into the Radical Others“ ist ein Langzeitprojekt von MaerzMusik in Kooperation mit der Erick Hawkins Dance Company, dem Ensemble Musikfabrik, Agnese Toniutti und vielen anderen.

Mit Dank für die freundliche Unterstützung durch die Library of Congress.