Inszenierung

ALICE im Wunderl@nd

Theater AG der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule 
Göttingen, Niedersachsen

Auf dem Bühnenfoto sind in etwa 20-30 Jugendlich abgebildet. Sie sitzen in zwei reihen unten auf einem Baugerüst, das auf der Bühne steht. Drei Jugendliche hängen seitlich am Gerüst. Alle tragen bunte Kostüme, viele mit Tier Elementen, wie Ohren oder Nasen. Links im Hintergrund ist ein Schlagzeug zu erkennen und die Rückwand ist mit einem Vorhang behangen der Pink angeleuchtet wird. Viele der Jugendlichen schauen in eine Richtung (vorne Links), andere auch die Kamera.

ALICE im Wunderl@nd, Theater AG der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen © Laura Kohlhoff

Das Wunderland als digitales Rabbit Hole: Schüler*innen der IGS Göttingen-Geismar beschäftigen sich in dem musikalischen Theaterprojekt ALICE im Wunderl@nd mit den Einflüssen von Social-Media-Plattformen auf die Identitätsentwicklung junger Menschen und die Angreifbarkeit von demokratischen Wertvorstellungen. Unterstützt durch selbstkomponierte Musik und Songs der Band BanJo lassen sie mit großer Spielfreude, Humor und politischer Positionierung ein ganz eigenes Wunderland entstehen.

Zum Nachschauen
Verfügbar ab 1.6.2026 als Videoon Demand in der Berliner Festspiele Mediathek.

In Anlehnung an den Klassiker Alice im Wunderland begeben sich die Jugendlichen der jahrgangsübergreifenden Theater-AG auf die Suche nach sich selbst und ihrem Platz in unserer Gesellschaft. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Herausforderungen der digitalen Welt und die Einflüsse von Social-Media-Plattformen auf die Identitätsentwicklung junger Menschen sowie die Angreifbarkeit von demokratischen Wertvorstellungen gelegt. Durch die Begegnung mit diversen Influencer*innen verliert sich Alice in einem digitalen Kaninchenbau, dem sogenannten Rabbit Hole. Im Land der Wunder werden die Influencer*innen zu skurrilen Figuren, die dazu einladen, neue Perspektiven und Lebenswege zu erforschen, Krisen zu überwinden, sich politisch zu positionieren und Erkenntnisse zu gewinnen – immer den Fragen folgend: Wer bin ich? Wie soll/möchte ich sein? Wie darf ich sein, in einer pluralistischen und vielfältigen Gesellschaft? In was für einer Welt möchte ich nach welchen Regeln leben?

Versuche von Lebensbewältigung in Zeiten von Beeinflussung und Auseinandersetzung mit Inhalten von TikTok, Instagram und Co. inmitten der Pubertät stehen im Fokus. Die Fragen und Anliegen junger Menschen in einer Zeit von Polykrisen und Unsicherheiten des Erwachsenwerdens werden thematisiert und theatral sowie musikalisch bearbeitet.

Songs, die von der Band BanJo eigens für dieses Stück geschrieben wurden, tragen zum Erzählen der Geschichte bei. Die Songs geben Impulse zum Nachdenken und erzeugen eine ganz besondere Wunderland-Atmosphäre.

Jurykommentar

Doomscrolling:
When you keep scrolling through all of your social media feeds, looking for the most recent upsetting news about the latest catastrophe. The amount of time spent doing this is directly proportional to how much worse you're going to feel after you're done.

“Dude! Stop doomscrolling, it's only going to make you feel worse!”
“I can't! The dopamine loop is too strong!”
- Urban Dictionary

Die Protagonistin Alice fällt in Lewis Carrolls Roman ins Wunderland, dessen Regeln sie gnadenlos ausgeliefert ist. Ziellos hangelt sie sich von einer verrückten Situation zur nächsten und begegnet dabei vielen bizarren Charakteren.

In der Bearbeitung ALICE im Wunderl@nd der Theater-AG der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule aus Göttingen fällt Alice kopfüber in dieses andere Rabbit Hole, nämlich beim Doomscrollen auf TikTok. Hier ist sie den Regeln von Social Media ausgesetzt und stolpert von Reel zu Reel. Mit konstant hoher Stärke gelingt es dem Ensemble, mit facettenreichem und urkomischem Schauspiel eine Atmosphäre des Absurden zu schaffen. Alice begegnet autokratischen Strukturen, aus der Zeit gefallenen Frauenbildern und einer verunsicherten Gesellschaft, die auf der Suche nach Freiheit und sich selbst in Unsicherheit zu stagnieren scheint.

Im Wunderl@nd angekommen, schafft das große Ensemble umso größere Bilder: mit aufwändigen Kostümen, einer mitreißenden Live-Band und mit enormer Spielstärke, die dem surrealen Charakter des Originals gerecht wird. Mehrfachbesetzungen werden kreativ ausgestaltet und evozieren in ihrer gekonnt asymmetrischen Synchronität ein Gefühl des Träumerischen, eines Spiegelkabinetts in einer anderen Dimension.

Alice verweilt in dieser Bearbeitung nicht in Passivität, will nicht schweigen und wegsehen. Sie wird zum Funken der Revolution. Mit einem selbstgeschriebenen Song der vergeistigten Raupe politisiert sie Partygesellschaft wie Publikum, was der Königin gar nicht gefällt. Alice schaut nicht mehr tatenlos zu und stellt sich der Königin.
Sie transformiert das Rabbit Hole, durch das sie eingangs ins Wunderl@nd gezogen wurde, zum Ringlicht und erhebt ihre Stimme – das finale Reel des Abends. Sie spricht sich für eine bunte Gesellschaft aus, die gemeinsam ihre Zukunft gestaltet.
Wir alle sollten selbstbestimmt agieren und für die eigenen Werte einstehen, „denn wir sind frei und wir sind laut!”

Ilias Botseas

Mit

Helena Anton, Ole Bartel, Emma Clara Di Bartolo, Lea Dormeyer, Findus Frerichs, Tomke Freymuth, Franka Hiller, Maja Jünemann, Helena Kessler, Madita Kuschel, Jette Laschke, Mara Neumann, Isalie Perschke, Florentine Peukert, Oskar Piskurek, Erik Röhling, Robyn Schlüter, Meije Schöningh, Marlene Strommer, Hannes Weberschock, Kai Winchell, Mia Windel, Bjarne Wolf, Jonte Wolf, Marlene Zachowski

Jule LennartzGesang und Gitarre
Michel WesemannBass & E-Gitarre
Lukas BaumannKeys
Janis AgsterSchlagzeug
Oskar PiskurekSongwriting & Gesang Raupen-Song

Agnes Giese, Laura Kohlhoff, Katrin Schultheis-Joos, Sebastian WartiniLeitungsteam
Jule LennartzMusikalische Leitung & Songwriting
Emil Kordowski, Oskar von OhlenTechnische Leitung
Gregor Ehmer, Lena Laschke, Len Stieg, Mathis WöhrleTeamer
Elena Kortenhaus, Mathis WöhrleRequisite & Kostüm
Ole Bartels, Emil Kordowski, Matthias Linnemann, Oskar von OhlenVideo Design, Reels & Bühnenbild
Mateo Di Bartolo, Lukas Enders, Milena Furcht, Moritz Großkopf, Julian Kantelhardt, Joost Linne, Len Loeser, Luis Müller, Luca Nitschke, Tjorven Sturm, Ryan OberleForumstechnik