Inszenierung

FRISCH gefragt!

junges RZt, RambaZamba Theater
Berlin

Ein Bühnenfoto mit etwa Zehn bunt angezogenen Personen, die in einem dichten Pulk zusammen stehen. Alle tragen grüne Kopfhorer, wie bei einer Silent-Disko. Die Personen wirken Interresiert und musstern sich gegenseitig. Der Hintergrund ist schwarz.

FRISCH gefragt!, junges RZt, RambaZamba Theater Berlin © Sascha Schlegel

Frischs Fragen sind nur der Anfang: Die Jugendlichen greifen sie auf, verändern sie und entwickeln eigene – über Träume, Zweifel und Widersprüche. So wird der Fragebogen von Max Frisch zum Ausgangspunkt eines kreativen Prozesses, der persönliche und künstlerische Ausdrucksformen verbindet. Auf der Bühne entsteht eine Collage aus Text, Bewegung sowie Video, Sound und Visuals – und aus großen Fragen, die bewusst offen bleiben.

Zum Nachschauen
Verfügbar ab 4.6.2026 als Videoon Demand in der Berliner Festspiele Mediathek.

Was verraten unsere Antworten über uns – und was unsere Fragen? Mit seinem berühmten Fragebogen schuf Max Frisch ein literarisches Experiment, das bis heute nachwirkt: Statt Gewissheiten liefert er Irritationen, statt Lösungen neue Perspektiven auf Identität, Verantwortung und das eigene Selbst.
Genau hier setzt FRISCH gefragt! an, das inklusive Theaterprojekt des Jugendclubs am RambaZamba Theater. Im Zentrum steht eine gemeinsame Stückentwicklung mit Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung sowie zwei Seniorinnen – ein generationenübergreifender Dialog, der unterschiedliche Lebensrealitäten und Perspektiven miteinander in Austausch bringt.
Frischs Fragen sind dabei nur der Anfang. Die Jugendlichen greifen sie auf, drehen sie weiter, widersprechen ihnen – und entwickeln ihre eigenen Fragen, die von ihrem Leben erzählen, von Zweifeln, Träumen und Widersprüchen. So wird der Fragebogen zum Sprungbrett für einen kreativen Prozess, in dem sich persönliche und künstlerische Ausdrucksformen verbinden.
Auf der Bühne entsteht daraus eine vielschichtige Collage aus Text, Bewegung und multimedialen Elementen wie Video, Sound und Visuals. Es geht um große Fragen: Möchtest du unsterblich sein? Was ist dein größter Traum? Bist du dir selbst ein*e Freund*in? Und um jene, die bewusst offen bleiben.

Jurykommentar

Mit FRISCH gefragt! bringt ein Ensemble von 14 Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebensrealitäten – mit und ohne Behinderungen – eine Arbeit auf die Bühne, die Inklusion selbstverständlich lebt.
Gemeinsam begibt sich das Ensemble auf die Suche nach einer der drängendsten Fragen: Wer bin ich und was macht mich glücklich? Ausgangspunkt ist der Fragebogen des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. In seinem literarischen Werk legte er seinen Leser*innen provokante und tiefgründige Fragen vor – nach Identität, Verbindung und unterschiedlichen Wahrheiten. Doch dem Ensemble dient er vor allem als Inspiration, als Einladung, eigene Fragen zu stellen und neue Perspektiven auf sich selbst zu entdecken.
Die Suche nach ihren Antworten findet dort statt, wo Sprache an ihre Grenzen stößt: im Körper, in der Bewegung, im Tanz, in der Begegnung. Tanz ist das, was die Spieler*innen verbindet – hier haben sie sich kennengelernt, und genau hier entwickeln sie ihre gemeinsame Ausdrucksform.
Die Inszenierung bewegt sich in verschiedenen Konstellationen: In der Silent Disco entstehen kollektive Momente, die intim und harmonisch sind. Im Solo findet jede*r die eigene Stimme. Im Duett entsteht ein Gespräch ohne Worte. In der Gruppe webt sich etwas, das größer ist als die Summe seiner Teile.
Begleitet werden die Szenen von elektronischer Musik, die den Körper durchdringt, berührt und Emotionen erfahrbar macht. Immer wieder kippt die Bühne in eine Traum-Sphäre, ein Nebenraum, in dem persönliche Träume, Wünsche und alte Erinnerungen geteilt werden können, ohne erklärt werden zu müssen.
Liebe, Ängste, Hoffnungen, Konflikte und Freundschaften – all das findet hier Platz, getragen von einer bemerkenswerten Sensibilität und Sorgfalt füreinander. Es entsteht ein Raum des Vertrauens, der Verletzlichkeit zulässt.
Dabei geht es nicht darum, Antworten zu finden und abzuhaken. Im Gegenteil: Es geht um das Aushalten der Frage, das Weiterfragen, ein neugieriges Kreisen um das, was uns ausmacht – immer wieder neu. Das Fragen kann unangenehm sein und genau darin liegt seine Kraft, es öffnet Türen.
FRISCH gefragt! ist eine Inszenierung, die zart und kraftvoll zugleich ist. Ein Abend, der leise beginnt und lange nachhallt, weil er uns nicht mit Gewissheiten entlässt, sondern mit der Einladung, weiterzufragen.

Mai-An Nguyen und Rahmatallah Ramzi

Mit

Elsa Ebeling, Anna Friedrichsen, D. B. Geißler, Amyli – G. von Gersdorff, Parastu Ghashghaie, Nadja Henß, Lara Alison Jaksch, Käthe Maj Selma Lange, Lotte Latscha, Hanna Nguyen, Ursula Raschke, Lukas Reitmeier, Niklas Ufer, Aila Wittig

Lillian Bocksch, Sascha VajnstajnRegie und Bühne
Val de LicerKostüm
Fernando BalseraChoreografie
Laura NitschFilm
Frieder BlumeSound
PPPANIKVisuals
Petros MandalosDramaturgie
Paulina Heyse und Erna Schmidt-OehmAssistenz