Inszenierung

Zum Lachen in den Keller

LABYRINTH Theater
Stuttgart, Baden Württemberg

Auf dem Bühnenfoto sind etwa zehn weiblich gelesene Jugendliche abgebildet. Sie tragen Jeans und lockere, bunte Oberteile. Sie wirken, als würden sie gerade tanzen oder sich dynamisch bewegen, da einige Füße leicht in der Luft sind und die Arme ausgestreckt nach oben rechts zeigen. Ihre Körper sind nach vorne gerichtet, sie schauen jedoch ebenfalls nach rechts. Im Hintergrund sind Regale mit Dosen und Kisten sowie eine Leiter zu sehen.

Zum Lachen in den Keller, LABYRINTH Theater Stuttgart © Ronny Schonebaum / Dominique Brewig

Zum Lachen in den Keller fragt: Was heißt es, erwachsen zu werden – besonders mit Flucht- oder Migrationserfahrung? Welche Unsicherheiten, Ängste und Irrwege gehören dazu? Die Jugendlichen finden in Musik, Tanz, Theater und Figurenspiel Ausdruck für ihre Themen. Zum Lachen in den Keller ist eine bewegende Reise in die verborgenen Räume unserer inneren Welt. 

Zum Nachschauen
Verfügbar ab 3.6.2026 als Videoon Demand in der Berliner Festspiele Mediathek.

Wir sind im Keller – vielleicht eines Wohnhauses, vielleicht einer großen Stadt. Die Besucher*innen kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen: um Getränkekisten zu sortieren, die heimliche Liebe zu treffen, Hunger zu stillen oder sich zu verstecken. Doch der Keller folgt eigenen Interessen: Er öffnet verborgene Räume, weckt Erinnerungen, durchlebt Ohnmacht und Verlust und bricht Tabus.

Hier wird gewaschen, gewerkelt, gestapelt – und manchmal hemmungslos gefeiert, getanzt, gesungen und gefressen. Zwischen Schatten und Geistern verschwimmen die Grenzen. Der Keller: Ein Ort der Dunkelheit und Einsamkeit, ein Ort der Freiheit und Erkenntnis. An Vorratsregalen und Wäscheleinen begegnen die Menschen nicht nur gesellschaftlichen Normen und den eigenen Gefühlen, sondern stehen auch an der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Zum Lachen in den Keller fragt: Was heißt es, erwachsen zu werden – besonders mit Flucht- oder Migrationserfahrung? Welche Unsicherheiten, Ängste und Irrwege gehören dazu? Die Jugendlichen finden in Musik, Tanz, Theater und Figurenspiel verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Themen. Unter der Leitung erfahrener und traumapädagogisch geschulter Künstler*innen entsteht ein sicherer Raum, in dem sie sich mutig, ehrlich und voller Energie zeigen können. Szenen aus ihren Lebensrealitäten verschmelzen zu einem großen Ganzen, das Geschichten sichtbar macht und zu einer offenen und demokratiefähigen Gesellschaft beiträgt.

Zum Lachen in den Keller ist eine bewegende Reise in die verborgenen Räume unserer inneren Welt. Mal waschecht lustig, mal kellertief traurig – die Performance öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben und stellt dabei eine ganz konkrete Frage an das Publikum: Wofür schämt ihr euch?

Jurykommentar

Die Redewendung „zum Lachen in den Keller gehen“ beschreibt eine humorlose, sehr ernste Person, die Gefühle von Freude oder Fröhlichkeit nicht öffentlich zeigt. Wer sprichwörtlich zum Lachen in den Keller geht, ist gehemmt und zeigt keine Emotionen. 

Am Eingang werden wir von Wesen aus dem Keller mit weißen Masken persönlich begrüßt, es wird uns aus der Hand gelesen und sie begleiten uns die Treppen hinunter in den Bühnensaal. Unten angekommen sehen wir ein klassisches Kellerregal als Lagerplatz, eine Band mit Schlagzeug, Wäscheleinen und einen Haufen Wäsche auf der Bühne. Ein ganz normaler Keller. Der Keller ist für die Gruppe Essensvorrat, Waschkeller, Schutzraum, Rückzugsraum, Partyort, aber auch ein bisschen gruselig.

An diesem Theaterabend erzählen uns 17 junge Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren eine Stunde lang ihre Geschichten. Wir sehen Darsteller*innen mit und ohne Fluchthintergrund, aus Syrien, Afghanistan, Sri Lanka, Paraguay, der Ukraine, Deutschland, Rumänien. Sie nehmen uns in die verborgenen Räume ihrer inneren Welt mit, sie öffnen Türen, die sonst verschlossen bleiben. Dabei verbindet die Gruppe das Theaterspielen mit Musik, Tanz und Figurentheater. Die weißen Wesen, die im Keller leben, unterstützen die Personen, die hereinkommen, sie begleiten und hören zu, wenn der Druck der Erinnerungen und Erlebnisse zu hoch ist. Die Gruppe verbindet ihre individuellen Themen miteinander und zeigt Gefühle auf der Bühne, die sie ansonsten lieber versteckt. In diesem Keller fühlen sich alle sicher, hier stützen sie sich gegenseitig und geben einander Raum. Im Keller werden viele Fragen verhandelt: Was bedeutet es, erwachsen zu werden im Kontext von Flucht und Migration? Welche Unsicherheiten, Ängste und Irrwege gehören dazu? Welche Tabus kommen im Keller ans Licht? Wie lernen wir Deutsch und was macht die Sprache mit uns? Was verstehen wir als Spaß und worüber können wir lachen? Welche Gefühle behalten wir lieber für uns? Wie ist unser Umgang mit Essen, welche Schwierigkeiten haben wir mit unserem eigenen Körper?

Offen werden Körperscham und Essstörungen thematisiert. Diese Offenheit hält auch Fragen für uns im Publikum bereit. Wofür schämen wir uns? Welche Flecken haben wir, die wir am liebsten verstecken? Eine besondere Kraft entwickeln dabei die gemeinsamen Lieder, die die Gruppe singt.

So werden die Fragen der Spieler*innen auch zu unseren Fragen. Dabei müssen wir entscheiden, ob wir von unserer Scham erzählen, oder sie lieber verbergen. Vielleicht bleiben wir etwas länger im Keller, lassen uns von den weißen Wesen festhalten und erzählen einander, warum wir überhaupt dorthin gehen, um zu lachen. Vielleicht hören wir uns gegenseitig aufmerksamer zu – dem Ensemble, aber auch dem Publikum und dem, was es zu sagen hat. Vielleicht haben wir den Mut, uns unsere Flecken auf der Kleidung zu zeigen und miteinander eine wertschätzende Sprache zu lernen.

Andreas Kroder und Fernando da Ponte

Mit

Daria Ariton, Anna Biletska, Yuri Gomez, Nadiia Kot, Lukas Krug, Vitalii Kulyk, Viktoriia Levkovska, Vsevolod Liashenko, Lava Mousa, Anastasiia Pavlenko, Alex Popenko, Milana Rosliakova, Kateryna Rozlomii, Said Shubat, Sonatullah Uzbek, Abeesnavan Vimalathas, Alina Nika Zaluzhna

Lena BäuerleGesangstraining, Chorische Arbeit und Live-Musik
Patrizia BirkenbergProjektleitung und Konzeption
Thea Marie EilersTheaterpädagogik, Textproduktion
Esther FalkFigurenbau & -spiel, Kostüm, Dramaturgie
Yahi Nestor Gahe – Bewegungstraining & Choreografie
Johannes ReischmannMusikproduktion, Musikalische Erarbeitung und Live-Musik