Silhouetten von Menschen stehen abends unter Bäumen vor einer lilafarben angestrahlten Wand.

© Berliner Festspiele, Foto: Fabian Schellhorn

Theatertreffen-Blog

Aufstrebende theaterbegeisterte Kulturjournalist*innen begleiten und reflektieren kritisch das Theatertreffen auf theatertreffen-blog.de sowie auf Instagram.

Die Blogger*innen 2026

Fünf Blogger*innen sind eingeladen, das Theatertreffen mit verschiedenen journalistischen Formaten zu begleiten und kritisch zu reflektieren.

Wie politisch soll das Theater sein?

So viele aktuelle Bezüge hinein wie möglich oder Geschichten jenseits des Politischen – wie soll sich das Theater zur politischen Lage verhalten? Das ist die diesjährige Leitfrage beim Theatertreffen-Blog.


„Schwarz ist das neue Schwarz“, betitelte im vergangenen Jahr Martin Thomas Pesl seinen Überblickstext zum Theatertreffen 2025, und Matthias Pees begrüßte das Publikum mit den Worten: „Herzlich willkommen im Abgrund“. Ein Jahr später stellt man konsterniert fest, die Weltenlage ist immer noch schwarz, vielleicht sogar noch dunkelschwarzer geworden. Weltweit toben Kriege, autokratische Herrscher bestimmen die öffentlichen Debatten, rechtsextreme Parteien gewinnen auch hierzulande weiter an Zuspruch.

Wir fragen uns in diesem Zusammenhang: Wie soll sich das Theater dazu verhalten? Soll es ein Ort jenseits des Politischen sein, frei von aktuellen Konfliktlinien und politischen Bezügen? Wollen wir uns dort gemeinsam auf gut erzählte Geschichten einlassen, in eigene Welten eintauchen, sowie uns etwa Lucia Bihler in ihrer Bühnenbearbeitung von Thomas Melles Roman Die Welt im Rücken mitnimmt in das Innenleben eines Menschen mit einer bipolaren Erkrankung?

Oder soll das Theater gerade mit diesen Konflikten und Bezügen umgehen, Stoffe wie Klaus Manns Mephisto über den aufkommenden Faschismus auf den Spielplan setzen, der die Bedrohung der Kultur durch populistische Politiker wie eine altbekannte Geschichte erscheinen lässt? Soll Theater vielleicht sogar reale Figuren aus der Politik mit alten Stoffen verschränken, wie es der erstmals zum Theatertreffen eingeladene Jan-Christoph Gockel in Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen mit Söldnerfürst Jewgeni Prigoschin tut, dem 2023 verstorbenen Chef der russischen Privatarmee Wagner? Helfen derlei politische Realitätsanker gar, um dem immer wieder befürchteten Bedeutungsverlust des Theaters etwas entgegenzusetzen?

Darüber diskutieren wir mit Jan-Christoph Gockel, wenn er dem Blog-Team einen Redaktionsbesuch abstattet. Außerdem schreibt Nuran David Calis, Regisseur und Schauspieldirektor in Salzburg, einen Gastbeitrag zur Frage, wie politisch Theater sein soll.

Neben unserer Leitfrage geht es wie gewohnt darum, die Nachwuchskritiker*innen mit anderen Theaterliebenden zu vernetzen, etwa mit jenen des Internationalen Forums. Wir möchten sie befähigen, sich eine eigene, kritische Meinung zu den eingeladenen Inszenierungen zu bilden und sie in Worte, Bilder oder Sprache zu fassen.

Dabei hilft uns Christian Rakow, einer der Chefredakteure der Online-Theaterplattform nachtkritik.de, der in einem Workshop mit den Blogger*innen erarbeitet, was eine Theaterkritik an Bausteinen beinhalten sollte. 

Der Journalist und Autor Kolja Fach, tätig für den SPIEGEL und diverse ARD-Redaktionen, wird dem Blog-Team die wichtigsten Kriterien von Social-Media-Logiken näher bringen und das Programm Cap Cut erklären, mit dem man selbst Reels erstellen kann.

Und Barbara Behrendt, die für das Radio über die Berliner Theaterlandschaft berichtet, unter anderem für den rbb und Deutschlandfunk, gibt einen Input zu Audio-Kritiken.

Nicht zuletzt besuchen uns drei Mitglieder der Jury, die für die Auswahl der gezeigten Inszenierungen verantwortlich ist. Sie werden uns einen Einblick geben, wie viel Übereinstimmung und Kompromissfähigkeit es braucht, um sich auf die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen zu einigen.

Neu im Team ist außerdem Frieda Ahrens aus Bremen, mit besonderer Expertise im Bereich Social Media – willkommen an Board, und auf eine tolle Zeit mit unseren Blogger*innen 2026!

Grete Götze
Konzeption und Redaktion Theatertreffen-Blog 2026

Nahaufnahme einer verwitterten Oberfläche mit dem Wort „Politics“ auf Karton, teils von Farbe überlagert.

Wie viel Politik darf es denn sein im Theater?

© Jon Tyson / unsplash

Das Theatertreffen-Blog

Das Theatertreffen-Blog unter konzeptioneller und redaktioneller Verantwortung von Grete Götze und der Mitarbeit von Frieda Ahrens versteht sich als Werkstatt-Redaktion, in der Theater-und Kulturjournalismus im Kontext eines laufenden Festivals erprobt werden. Es begreift sich als Nachwuchsförderung für Publizist*innen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, und möchte vielfältigen Stimmen den Zugang zur Medien-und Kulturwelt ermöglichen.

Circa fünf aufstrebende Kulturjournalist*innen berichten im Rahmen eines Stipendienprogramms kritisch vor Ort vom Theatertreffen. Dabei sollen Perspektiven geschärft und erweitert, das Konzipieren und Durchführen journalistischer Formate entwickelt und neue Zugänge zur Auseinandersetzung mit theatralen Formen erprobt werden. Bewerbungen für das Theatertreffen-Blog sind im Rahmen eines Open Calls möglich, der jeweils in den letzten Wochen des Jahres veröffentlicht wird.

Team & Kontakt

Konzept und Redaktion Theatertreffen-Blog
Grete Götze, Frieda Ahrens

Assistenz Theatertreffen-Blog
Clara Mittlmeier

theatertreffen-blog@berlinerfestspiele.de
theatertreffen-blog.de

Geschichte

Der Umzug der Festivalzeitung, die von 2005 bis 2008 in Zusammenarbeit mit der Berliner Zeitung entstand, in das Internet vergrößerte die Reichweite und die Transparenz der Festivalberichterstattung: Diskussionen über die zum Festival eingeladenen Produktionen konnten nun orts- und zeitunabhängig verfolgt werden und das Publikum hatte die Möglichkeit, sich über die Kommentarfunktion kritisch zu beteiligen. Die Ausweitung der Ausschreibung auf nicht nur deutsch-, sondern auch englischsprachige Teilnehmer*innen führte zu einer Internationalisierung der Debatten. Und schließlich führte die Voraussetzung, ein eigenes Blog zu haben, zu Teilnehmer*innen, die bereits aktiv im Netz sind.

Das Theatertreffen-Blog ist inzwischen als eigenständige digitale Marke fest in der Medienlandschaft etabliert. Es wurde als Originalquelle etwa bei Guardian Online, nachtkritik.de oder bei dem feministischen Blog maedchenmannschaft.net verlinkt. Zu den Medienpartnern des Theatertreffen-Blogs zählten bisher die Berliner Zeitung, EXBERLINER, 3sat/Kulturzeit, kultiversum.de, Theater der Zeit, ZEIT ONLINE und die Bloggerinnen Mary Sherpe von stilinberlin.de und Johanna von Stülpnagel von redenswinger.de/blog. Die Partner*innen unterstützten die Arbeit der Blog-Redaktion personell durch die Freistellung von Redakteur*innen als Mentor*innen, medial durch die Verlinkung, inhaltlich durch eigene Beiträge.

Gefördert wurde das Theatertreffen-Blog 2011 bis 2015 von der Rudolf Augstein Stiftung. Seit 2016 wird das Theatertreffen-Blog von der Stiftung Presse-Haus NRZ gefördert.

Gegründet wurde das Theatertreffen-Blog 2009 von Nikola Richter, die es bis 2013 leitete. In den Jahren 2014 und 2015 übernahm Bianca Praetorius die Projektleitung. Von 2016 bis 2021 leitete Janis El-Bira das Theatertreffen-Blog. 2022 übernahmen Antigone Akgün und Ozi Ozar die Konzeption und Redaktion des Projekts. Im Jahr 2023 fand das Theatertreffen-Blog unter der Leitung von Antigone Akgün in enger Zusammenarbeit mit Zofia nierodzińska statt. 2024 und 2025 waren Grete Götze und Tamara Marszalkowski für Konzept und Redaktion verantwortlich. 2026 findet das Projekt unter erneuter konzeptioneller und redaktioneller Verantwortung von Grete Götze sowie der Mitarbeit von Frieda Ahrens statt.

Das Theatertreffen-Blog wird gefördert durch die
 

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