Preisverleihung

Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung

Der „Theaterpreis Berlin“ 2008 ging an den Schauspieler Josef Bierbichler.

Die Begründung der Jury

„Joseph Bierbichler ist ein einzigartiger und eigenartiger Schauspieler, der seinesgleichen sucht in deutschsprachigen Theaterlanden. Er ist kein Verwandlungskünstler, sondern ein Versinnlicher von Haltungen und Gefühlen. Dieser Schauspieler erklärt uns nicht Figuren und Situationen, er stellt sie nicht her oder aus, sondern er befragt sie im unangestrengten Spiel. Statt in fremde Figuren zu schlüpfen, erkundet er diese, indem er alle Nähe und Fremdheit aus sich selbst heraus holt, Bierbichlers Theaterspiel speist sich stark aus seiner Physis. Dabei ist der kraftvolle Bauernsohn vom Starnberger See ein darstellerischer Minimalist. Als Meister in der Kunst des Weglassens wirkt er wie ein Solitär unter den vielen Fremd- und Selbstdarstellern auf deutschsprachigen Bühnen. Er verkörpert Rollen, ohne sie im herkömmlichen Sinne vorzuspielen, ohne sich zu verstellen und von sich selbst abzusehen. Dabei wirkt nichts fertig oder gar perfekt, was dieser Schauspieler zeigt, sondern es fasziniert durch eine radikale Selbstverständlichkeit des theatralen Seins. Es gibt kaum einen anderen deutschsprachigen Bühnendarsteller, der mit seiner einfachen Präsenz das Publikum so sehr in seinen Bann zu ziehen vermag. Mit einem leichten Lächeln, in dem Suche wie Sicherheit liegen, das Durchblick wie Skepsis verrät, öffnet Bierbichler dem Publikum die Untergründe und Widersprüche seiner Figuren. Da Joseph Bierbichler zur Spezies des „denkenden Schauspielers“ gehört, der nicht nur Widersprüche auf der Bühne zeigt, sondern sie auch im Leben findet, mischt er sich immer wieder mit Gegenrede und Widerspruch in gesellschaftliche und politische Diskurse ein. Joseph Bierbichler hat zahlreiche große Rollen gespielt, er hat mit vielen berühmten Regisseuren und an fast allen renommierten Theatern gearbeitet, doch wie auch sein Solostück „Holzschlachten“ zeigt: noch immer ist Bierbichler ein Schauspieler auf der Suche.“

Mit dem Theaterpreis Berlin würdigt die Stiftung Preußische Seehandlung seit 1988 jedes Jahr herausragende Verdienste um das deutschsprachige Theater. Seit der 20. Vergabe im Jahr 2007 ist der Preis mit 20.000 Euro dotiert. Der Preisjury gehören in diesem Jahr neben Joachim Sartorius der Intendant des Schauspiels Leipzig Wolfgang Engel, der Theaterkritiker Hartmut Krug und der Intendant des Schauspiels Stuttgart Hasko Weber an.

Laudatio B. K. Tragelehn
Verleihung der Preisurkunde durch Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin

Anschließend ein Fest zu Ehren des Preisträgers mit Beiträgen von
Samuel Finzi, Dimiter Gotscheff, Schorsch Kamerun, Jürg Kienberger, Ulrich Matthes und Mark Waschke
sowie Ausschnitten aus den Proben zu Heiner Müllers „Philoktet“ an der Berliner Volksbühne und aus dem Film „Bierbichler“ von Regina Schilling.

Die Jury

Wolfgang EngelIntendant Schauspiel Leipzig
Hartmut KrugTheaterkritiker
Hasko WeberIntendant Schauspiel Stuttgart
Joachim SartoriusIntendant der Berliner Festspiele