Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen

Die Welt im Rücken

von Thomas Melle
In einer Bühnenfassung von Lucia Bihler und Gwendolyne Melchinger

Schauspiel Stuttgart

Premiere: 27.9.2025

Eine Person schwebt in einem langen, roten Stoff über einer Gruppe vor dunkler Bühne und Nebel.

Die Welt im Rücken © Schauspiel Stuttgart

Die packende Chronik einer bipolaren Erkrankung übersetzen Lucia Bihler und ihr Team in Die Welt im Rücken in ein Gesamtkunstwerk, das kraftvolle, abstrakte Bilder für seelische Zustände findet und dabei den Textkörper als Körpertext begreift.

Publikumsgespräch
am Donnerstag, 14.5.2026 im Anschluss an die Vorstellung


Es liegen Hinweise zu sensiblen und/oder gesundheitlich relevanten Inhalten vor.

Ein schreibendes Ich führt ein Leben in Extremen – mal energetisch überbordend bis zum Exzess, mal gefangen in quälender Leere. Die Ursache dafür ist eine bipolare Erkrankung, in der sich manische mit depressiven Phasen abwechseln und die das Ich aus den geregelten Abläufen der Gesellschaft hinauskatapultiert. Schreibend versucht das ruhelose Ich einzuordnen, was zwischen Sex mit Madonna und dem Wunsch nach Auslöschung mit ihm geschieht. Thomas Melle gewährt mit Die Welt im Rücken in virtuosen, sinnlichen Sprachbildern einen plastischen Einblick in eine Erkrankung, von der er selbst betroffen ist. Lucia Bihler legt ihre Romanadaption als visuell und emotional mitreißendes Gesamtkunstwerk an, in dem Musik, Licht, Bühne und Choreografie ineinandergreifen und Emotionen und Handlungen abstrahiert in expressive Körperlichkeit übersetzt werden. Mit ihrem sensationellen Spiel zwischen physischer Verausgabung und emotionaler Durchlässigkeit steht Paulina Alpen im Zentrum des Geschehens, ihr zur Seite eine Gruppe von Doppelgängern als Körperchor. Gemeinsam finden sie starke Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen.

Jurybegründung

„Die ganze Bühne mutiert hier zu einem psycho-physischen Raum: Von Paula Wellmanns mit-atmenden und zuweilen schamrosa beleuchteten Vorhängen bis zu den drängenden Sounds von Sixtus Preiss wirkt alles daran mit, Thomas Melles schmerz- und humorvollen Text über seine bipolare Störung sicht- und erfahrbar zu machen. Im Zentrum dieses Gesamtkunstwerks: die großartige Paulina Alpen. Im roten Körper-Panzer von Victoria Behr – und manchmal auch ihm entgegen – spielt sie das Schwerwerden in der Depression ebenso wie den Donnerhagel der Neuronen in der Manie. Und nichts davon zu groß. Selbst das Durchdrehen ist bei ihr eine feinstoffliche Angelegenheit. Sechs Alpen-Lookalikes sind die von Melle erwähnten ,Zwitter-Agenten‘: Ausstülpungen wie Echos des eigenen Ich, die aber auch die Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft auf inadäquates Verhalten spiegeln. Der Abend hat die poppige Ästhetik, die man von Lucia Bihler kennt, ist aber niemals effekthascherisch, sondern tief menschlich und schickt auch das Publikum auf eine Achterbahn der Emotionen.“
– Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury

ZumVideostatement

Programmheft (PDF, 0,91 MB)

Künstlerisches Team

Lucia BihlerRegie
Paula WellmannBühne
Victoria BehrKostüme
Sixtus PreissMusik
Björn LeeseChoreografie
Mats SüthoffOutside Eye
Felix DreyerLicht
Gwendolyne MelchingerDramaturgie

Besetzung

Paulina AlpenThomas Melle 
Tim BülowDoppelgänger
Pauline GroßmannDoppelgänger
Felix JordanDoppelgänger
Mina PecikDoppelgänger
Karl Leven SchroederDoppelgänger
Silvia SchwingerDoppelgänger

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Hamburg