Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen

Wallenstein

Ein Schlachtfest in sieben Gängen

nach Friedrich Schiller

Münchner Kammerspiele

Premiere: 4.10.2025

Eine Person liegt auf dem Boden und hält sich an einem Elektro­rollstuhl fest, während eine Band spielt.

Wallenstein © Münchner Kammerspiele

Mitten hinein in die Feldküche geht es mit Jan-Christoph Gockels spektakulärer Wallenstein-Interpretation, in der Kriegsunternehmertum, strategische Selbstdarstellung, Ambitionen, Macht und Loyalität mit einer überwältigenden Vielfalt theatraler Einfälle angerichtet und scharf abgeschmeckt werden.

3sat-Preis
an Katharina Bach
am Samstag, 9.5.2026 im Anschluss an die Vorstellung


Publikumsgespräch
am Sonntag, 10.5.2026 im Anschluss an die Vorstellung


3sat „Starke Stücke“: Die Inszenierung am 10.5.2026 wird ab 17:00 Uhr als zeitversetzter Livestream übertragen
in der 3satMediathek und in der BerlinerFestspiele Mediathek

Im Dreißigjährigen Krieg führt Wallenstein als Oberbefehlshaber zahlreiche Söldnerheere an. Er bezahlt sie mit Plünderungen der eroberten Gebiete und macht selbst noch Profit, gemäß dem Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“. Als Wallenstein nach politischer Macht greift, lässt der Kaiser ihn ermorden. Im Jahr 2023 bricht Yevgeny Prigozhin, „Putins Koch“ und Kopf der Söldnergruppe Wagner, mit seiner Truppe zu einem Marsch nach Moskau auf. Der Aufstand scheitert, ein Flugzeug mit Prigozhin an Bord stürzt kurz darauf ab. Jan-Christoph Gockel verknüpft mit einer überbordenden Fülle an kreativen Ideen, Anspielungen und Stilen Friedrich Schillers monumentale Wallenstein-Trilogie mit einer zweijährigen Recherche des Produktionsteams über Ex-Söldner in der Gegenwart. Im Zentrum der einfallsreichen Inszenierung stehen die Menschen in Wallensteins Lager: Soldaten, Händler*innen, Kinder und Bauern aus dem Tross – mit ihren heutigen Entsprechungen. Wie sich annähern an den Krieg als Lebensform? Gockel und sein Ensemble entwerfen mit einem Festmahl auf der Bühne, Party, Live-Video, Marionetten, Schauspiel und Lecture Performance ein Spektakel für alle Sinne. 

Jurybegründung

„Eine Doppelbelichtung der Mechanik des Krieges und eine überbordende Feier des Theaters: Das und noch viel mehr gelingt diesem Wallenstein. Sieben Stunden nehmen sich Jan-Christoph Gockel und sein Team von Individualist*innen dafür Zeit. Dass sie einem nicht lang werden, liegt an der Vielzahl der Perspektiven auf den Stoff, die sich manchmal reiben, aber immer wunderbar miteinander räsonieren. Es geht um Söldnerheere gestern und heute, um militärische Strippenzieher, die selbst an fragilen Strippen hängen, um Loyalität und die Schwierigkeit, Kriege wieder zu beenden. Zentral für die Bildwelten und den Humor des Abends sind Schillers berühmter Satz ,Der Krieg ernährt den Krieg‘, die Figur des russischen Söldnerführers Jewgeni Prigoschin und der Harry Potter-Zauberspruch ,Riddikulus‘, der beängstigende Dinge in etwas Komisches verwandelt und die lähmende Angst vertreibt. In diesem immersiven, zwischen Investigativ- und Literatur-Theater, Performance, Schau- und Puppenspiel, feiner Ironie, Satire und Ernst aufgespannten Meisterstück bleibt dagegen alles in Bewegung. Sogar die Hoffnung auf den Menschen im Krieger.“
– Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury

ZumVideostatement

DigitalesProgrammheft auf der Webseite der Münchner Kammerspiele


Die Menüfolge

55 Minuten – 1. Gang: Wallensteins Lager

25 Minuten – Pause

1 Stunde 40 Minuten - 2. Gang: Die Piccolomini & 3. Gang: Russischer Kitsch

25 Minuten – Pause

1 Stunde – 4. Gang: Wallensteins Traum

1 Stunde – Pause

1 Stunde 30 Minuten – 5. Gang: Zhenyas Lager & 6. Gang: Wallensteins Tod & 7. Gang: Kriegsende


 

Künstlerisches Team

Jan-Christoph GockelRegie
Julia KurzwegBühne
Janina BrinkmannKostüme
Maria MolingMusik / Komposition (Live-Musik)
Lion BischofVideodesign
Christian Schweig, Stephan MarianiLichtdesign
Michael PietschPuppenbau
Annette PaulmannPiccolomini-Menü
Viola Hasselberg, Claus PhilippDramaturgie
Sergei OkunevDramaturgische Mitarbeit und Recherche
Cico BeckMusik Mitarbeit
Yvonne Griesel (SPRACHSPIEL)Übertitel

Besetzung

Katharina BachIllo
André BenndorffQuestenberg
Johanna EiworthIsolan / Zhenya
Nadège Meta KankuThekla, Wallensteins Tochter
Samuel KochWallenstein
Annika NeugartMax Piccolomini, Octavios Sohn
Annette PaulmannOctavio Piccolomini 
Michael PietschGraf Terzky
Leoni Schulz / Eva BayGräfin Terzky
Maria MolingSeni und Live-Musik
Sergei OkunevSerge – ein Typ aus Russland im Mantel und mit einem Zauberstab 
Pari Garvanos / Daniel HascherButtler