Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen
Ein Schlachtfest in sieben Gängen
nach Friedrich Schiller
Münchner Kammerspiele
Premiere: 4.10.2025
Wallenstein © Münchner Kammerspiele
Mitten hinein in die Feldküche geht es mit Jan-Christoph Gockels spektakulärer Wallenstein-Interpretation, in der Kriegsunternehmertum, strategische Selbstdarstellung, Ambitionen, Macht und Loyalität mit einer überwältigenden Vielfalt theatraler Einfälle angerichtet und scharf abgeschmeckt werden.
Im Dreißigjährigen Krieg führt Wallenstein als Oberbefehlshaber zahlreiche Söldnerheere an. Er bezahlt sie mit Plünderungen der eroberten Gebiete und macht selbst noch Profit, gemäß dem Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“. Als Wallenstein nach politischer Macht greift, lässt der Kaiser ihn ermorden. Im Jahr 2023 bricht Yevgeny Prigozhin, „Putins Koch“ und Kopf der Söldnergruppe Wagner, mit seiner Truppe zu einem Marsch nach Moskau auf. Der Aufstand scheitert, ein Flugzeug mit Prigozhin an Bord stürzt kurz darauf ab. Jan-Christoph Gockel verknüpft mit einer überbordenden Fülle an kreativen Ideen, Anspielungen und Stilen Friedrich Schillers monumentale Wallenstein-Trilogie mit einer zweijährigen Recherche des Produktionsteams über Ex-Söldner in der Gegenwart. Im Zentrum der einfallsreichen Inszenierung stehen die Menschen in Wallensteins Lager: Soldaten, Händler*innen, Kinder und Bauern aus dem Tross – mit ihren heutigen Entsprechungen. Wie sich annähern an den Krieg als Lebensform? Gockel und sein Ensemble entwerfen mit einem Festmahl auf der Bühne, Party, Live-Video, Marionetten, Schauspiel und Lecture Performance ein Spektakel für alle Sinne.
„Eine Doppelbelichtung der Mechanik des Krieges und eine überbordende Feier des Theaters: Das und noch viel mehr gelingt diesem Wallenstein. Sieben Stunden nehmen sich Jan-Christoph Gockel und sein Team von Individualist*innen dafür Zeit. Dass sie einem nicht lang werden, liegt an der Vielzahl der Perspektiven auf den Stoff, die sich manchmal reiben, aber immer wunderbar miteinander räsonieren. Es geht um Söldnerheere gestern und heute, um militärische Strippenzieher, die selbst an fragilen Strippen hängen, um Loyalität und die Schwierigkeit, Kriege wieder zu beenden. Zentral für die Bildwelten und den Humor des Abends sind Schillers berühmter Satz ,Der Krieg ernährt den Krieg‘, die Figur des russischen Söldnerführers Jewgeni Prigoschin und der Harry Potter-Zauberspruch ,Riddikulus‘, der beängstigende Dinge in etwas Komisches verwandelt und die lähmende Angst vertreibt. In diesem immersiven, zwischen Investigativ- und Literatur-Theater, Performance, Schau- und Puppenspiel, feiner Ironie, Satire und Ernst aufgespannten Meisterstück bleibt dagegen alles in Bewegung. Sogar die Hoffnung auf den Menschen im Krieger.“
– Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury
DigitalesProgrammheft auf der Webseite der Münchner Kammerspiele
55 Minuten – 1. Gang: Wallensteins Lager
25 Minuten – Pause
1 Stunde 40 Minuten - 2. Gang: Die Piccolomini & 3. Gang: Russischer Kitsch
25 Minuten – Pause
1 Stunde – 4. Gang: Wallensteins Traum
1 Stunde – Pause
1 Stunde 30 Minuten – 5. Gang: Zhenyas Lager & 6. Gang: Wallensteins Tod & 7. Gang: Kriegsende
Jan-Christoph Gockel – Regie
Julia Kurzweg – Bühne
Janina Brinkmann – Kostüme
Maria Moling – Musik / Komposition (Live-Musik)
Lion Bischof – Videodesign
Christian Schweig, Stephan Mariani – Lichtdesign
Michael Pietsch – Puppenbau
Annette Paulmann – Piccolomini-Menü
Viola Hasselberg, Claus Philipp – Dramaturgie
Sergei Okunev – Dramaturgische Mitarbeit und Recherche
Cico Beck – Musik Mitarbeit
Yvonne Griesel (SPRACHSPIEL) – Übertitel
Katharina Bach – Illo
André Benndorff – Questenberg
Johanna Eiworth – Isolan / Zhenya
Nadège Meta Kanku – Thekla, Wallensteins Tochter
Samuel Koch – Wallenstein
Annika Neugart – Max Piccolomini, Octavios Sohn
Annette Paulmann – Octavio Piccolomini
Michael Pietsch – Graf Terzky
Leoni Schulz / Eva Bay – Gräfin Terzky
Maria Moling – Seni und Live-Musik
Sergei Okunev – Serge – ein Typ aus Russland im Mantel und mit einem Zauberstab
Pari Garvanos / Daniel Hascher – Buttler