Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen
nach dem Roman einer Karriere von Klaus Mann
Münchner Kammerspiele
Premiere: 28.2.2025
Mephisto © Münchner Kammerspiele
Mit Mephisto bringen Jette Steckel und ihr herausragendes Ensemble den Drahtseilakt eines Schauspielers zwischen persönlichem Vorteil und Kritik am System sowie die Frage nach Kunstfreiheit in einem autoritären Regime in poetischen, klaren und fein komponierten Bildern auf die Bühne.
Der Schauspieler Hendrik Höfgen ist im Begriff, den Gipfel seiner Karriere zu erklimmen: Er bekommt ein Engagement am Preußischen Staatstheater Berlin, brilliert als Mephisto in Goethes Faust und wird schließlich vom Ministerpräsidenten zum Intendanten berufen. Doch der Aufstieg hat seinen Preis: Höfgen paktiert mit dem nationalsozialistischen Regime und verfängt sich in der Rolle seines Lebens. Klaus Manns Roman Mephisto gilt als ein Schlüsselwerk der Nachkriegsliteratur und thematisiert das Verhalten und die Verantwortung des Einzelnen in einem autoritären Regime, inspiriert von realen Vorbildern. In Jette Steckels eindrücklicher und kluger Inszenierung findet die gesamte Handlung im Theater statt. Damit rückt sie auch die Rolle von Künstler*innen innerhalb des Theaterbetriebs den Fokus und schafft ein Fest der Schauspielkunst: Das Ensemble ist in Höchstform, allen voran Thomas Schmauser mit seinem vielschichten und einprägsamen Spiel, das die inneren Konflikte der Hauptfigur sichtbar werden lässt und ein Ereignis ist.
„Jette Steckel und ihrem Team ist ein Abend gelungen, der den Mephisto-Roman Klaus Manns mit wenigen Sätzen Fremdtext zu einer beklemmenden, aktuellen Studie über das Verhältnis von Kunst und Macht formt. Virtuos zeigt Thomas Schmauser die Wandlung seines Hendrik Höfgen vom Vorkämpfer eines ,Revolutionären Theaters‘ zum opportunistischen Nazi-Günstling als von einer Mischung aus künstlerischer Eitelkeit und einigen Rest-Gedanken über Widerstand motiviert. Er tastet diese Figur sorgfältig von innen ab, zeigt sie als brüchig, hadernd und/oder hadern spielend. Dass Steckel selbst die Szenen dieses Abends, die im privaten Raum stattfinden, als Theater im Theater anlegt, ist deshalb nur konsequent. Es geht auch um einen Menschen-Typus, dem die Kunst die ganze Welt bedeutet und der sich der Illusion hingibt, dass das Theater ein Fluchtort ist, der letztlich unantastbar bleibt. Pustekuchen! Schaut man dem tollen Ensemble bei der Arbeit zu, sieht man auch Menschen, die die Neue Rechte nur zu gerne wieder von der Bühne verjagen würde. Dieser Abgleich zwischen der historischen Vergangenheit und der möglichen Zukunft tut richtig weh.“
– Sabine Leucht für die Theatertreffen-Jury
DigitalesProgrammheft auf der Webseite der Münchner Kammerspiele
Jette Steckel – Regie
Florian Lösche – Bühne
Pauline Hüners – Kostüme
Mark Badur, Elias Krischke – Musik
Maximilian Kraußmüller – Lichtdesign
Emilia Heinrich, Jette Steckel, Johanna Höhmann – Fassung
Johanna Höhmann, Theresa Schlesinger, Carl Hegemann – Dramaturgie
Thomas Schmauser – Hendrik Höfgen
Erwin Aljukić – Theophil Marder, Cäsar von Muck, Gottfried Benn
Bless Amada – Julien Martens
Johanna Eiworth – Dora Martin, Lotte Lindenthal
Elias Krischke – Hans Miklas, Live-Schlagzeug und Vibraphon
Linda Pöppel – Barbara Bruckner
Maren Solty – Nicoletta von Niebuhr
Edmund Telgenkämper – Intendant Kroge, Professor, Ministerpräsident
Martin Weigel – Otto Ulrichs